Sport : Nils Schumann: Nicht alles läuft einfach weiter

Jörg Wenig

Kurz nachdem die ihn quälende Vereinsfrage entschieden war, bekam Nils Schumann gestern ein neues Problem. Am Montag hatte der 800-m-Olympiasieger seinen Wechsel vom thüringischen Verein SV Creaton Großengottern zur LG Nike Berlin bekannt gegeben. "Mein Hauptwohnsitz wird in Erfurt bleiben, und ich werde weiter bei Dieter Hermann trainieren - alles läuft wie bisher, darüber bin ich sehr froh", hatte der 800-m-Olympiasieger gesagt, der anschließend ins Trainingslager nach Spanien flog. Doch es scheint nicht alles einfach so weiterzulaufen.

Nach der Vereinsfrage kam gestern die Trainerfrage auf den Tisch. Offenbar ist die Verägerung über den Wechsel Schumanns bei Dieter Hermann deutlich größer als angenommen. "Für mich gibt es derzeit keinen plausiblen Grund, Nils weiter zu betreuen", sagte der Trainer gegenüber den Agenturen dpa sowie sid und fügte noch hinzu: "Jedenfalls wünsche ich Nils viel Glück, das wird er brauchen." Der Ärger von Hermann ist in gewissem Maße zu verstehen. Er hat um Nils Schumann herum mit Hilfe des Sponsors Creaton eine Gruppe von Läufern aufgebaut, zu der übrigens erst vor einem Jahr mit Janette Hoffmann eine hoffnungsvolle 800-m-Läuferin der LG Nike wechselte. Nun ging es in einer anderen Dimension in die andere Richtung. Überraschend kam der Verzicht von Dieter Hermann für Christoph Kopp, den Präsidenten des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV): "Wir hatten Nils gefragt, ob bei einem Wechsel alle sportlichen Dinge geklärt wären. Und Hermann hatte ihm zugesagt, ihn auch in diesem Fall weiter zu betreuen." Nun kann man darüber spekulieren, ob die neuen Aussagen Hermanns vielleicht auch taktischer Natur sind. Der Trainer hätte gegenüber seinem Verein Creaton Großengottern und dem Sponsor wohl keine guten Karten, wenn er sich sofort bereit erklärt, den wegziehenden Star weiter zu betreuen. Allerdings erinnert Frank Hensel, Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, den Coach an seine Aufgaben als Bundestrainer: "Ein Vereinswechsel reicht nicht aus, das Training nicht mehr durchführen zu wollen. Hermann ist Angestellter beim DLV, da werden wir mit ihm reden müssen."

Für manchen Insider käme allerdings eine Trennung nicht überraschend, denn gewisse Spannungen zwischen Schumann und Hermann sind nicht neu. "Wir denken nicht, dass es wirklich dazu kommt", sagte Christoph Kopp, der auch darauf verweist, dass ein Trainer nicht so ohne weiteres einen Olympiasieger abgibt. Sollte es dennoch zum Bruch kommen, wird sich auch der BLV-Präsident um eine Lösung bemühen. Es könnte dann das Glück von Nils Schumann sein, zur LG Nike gewechselt zu sein. Denn in Berlin trainiert unter anderen der 800-m-Olympiavierte von 1996, Nico Motchebon. Und der wird betreut von Idriss Gonschinska.

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