Sport : Nippon – gut verpackt Japan für Anfänger

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Ahnen. Die verstorbenen Familienmitglieder werden besonders verehrt. Auf den Friedhöfen, die mit ihren Grabstelen wie ein Liliput-Manhattan aussehen, werden ihnen Blumen und Früchte geopfert.

Benimm. Manchem Europäer mag Japan förmlich erscheinen, aber das Zusammenleben vieler Menschen auf engstem Raum erfordert gewisse Spielregeln, die das Miteinander erleichtern. Und das ist recht angenehm.

Chrysantheme. Die sechzehnblättrige Chrysantheme ist seit dem Ende des 8. Jahrhunderts das Symbol des japanischen Kaiserhauses schlechthin. Chrysanthemen dienen aber auch der Dekoration von Speisen, sind essbar und schmecken leicht süßlich.

Deshima. Japans Tor zum Westen in den Zeiten der selbst gewählten Isolation. Auf dieser künstlichen Insel vor Nagasaki durften sich im 17. Jahrhundert die Holländer ansiedeln, um Handel zu treiben. Über Deshima kam erstes westliches Know-how nach Japan.

Essen. Japanisches Essen wie Sushi, Tempura und Yakitori hat längst Europas Metropolen erobert. Das Auge isst grundsätzlich mit, und nichts ist für einen Japaner gruseliger, als alles auf einem Teller serviert zu bekommen.

Fuji-san. Der heilige Berg, der Thron der Götter, ist das Symbol für Japan, fast schon ein Klischee, aber immer noch gültig. Und jeder Japaner sollte einmal im Leben den heiligen Berg erklommen haben.

Gruppe. Die Bezugsgruppe ist die soziale Einheit der Japaner. In der Gruppe zu Hause, am Arbeitsplatz oder auf Reisen fühlt er sich sicher und geborgen. Seine eigene Indiviualität in den Vordergrund zu drängen, gilt als äußerst unfein.

Höflichkeit. Höflichkeit ist in Japan einerseits ein gesellschaftliches Schmiermittel, das alles am Laufen hält, andererseits aber eine zutiefst ernst gemeinte Verhaltensweise, die man nach einer Japanreise sofort schmerzlich vermisst, sowie man wieder deutschen Boden betreten hat.

I-Mode. Der Standard für Handys in Japan, mit dem man seit drei Jahren bewegte Bilder aufs Handy laden kann. Einmal mehr der Beweis für den Erfindungsgeist und Spieltrieb der Japaner.

J-League. In der amerikanisierten Sportwelt Japans ist die J-League seit 1993 die Bundesliga, in der auch einmal ein Pierre Littbarski gespielt hat. Nicht unwichtig für die wachsende Popularität des Fußballs, der aber immer noch im Schatten von Baseball und Sumo steht.

Kimochi. Ein bisschen Kimochi (Gefühl tragen) könnte im mitteleuropäischen Gespräch auch nicht schaden. Man fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern sondiert etwa 10 bis 15 Minuten das Terrain, um seinen Gesprächspartner einzuschätzen. Erst dann kommt man zur Sache.

Lampion. Die rote Laterne in Japan signalisiert nicht Rotlichtmilieu, sondern eine urjapanische Kneipe oder einen kleinen Imbiss, in dem man sich ungezwungen unterhalten kann.

Matsuri. Das japanische Fest an sich, wird im Sommer überall mit großen Prozessionen gefeiert, bei denen gleich gewandete Träger riesige Schreine an langen Stangen auf den Schultern tragen.

Nippon. Nippon oder Nihon bezeichnet das „Sonnenursprungsland“, wie Japan sich seit dem 7. Jahrhundert selber nennt und damit einiges über sein Selbstverstännis zum Ausdruck bringt.

Onsen. Heiße Quellen, in denen es sich trefflich baden und entspannen lässt, nachdem man sich vorher nach allen Regeln der Kunst gereinigt hat. Langnasen werden argwöhnisch beobachtet, auf dass auch niemand eingeseift ins Wasser steigt.

Polizei. Gemeint ist hier vor allem der omawari san, der „Herr, der umhergeht“. Diese vielen kleinen Polizeiposten sind ein Teil aktiver Nachbarschaftshilfe und stehen Ortsunkundigen bei der Orientierung im unergründlichen Adressensystem des Viertels zur Seite.

Qualität. Auf made in Japan ist Verlass. In vielen Qualitätszirkeln wetteifern die verschiedenen Gruppen der Mitarbeiter um die Verbesserung ihrer Produkte.

Ryokan. In diesen Nobelherbergen traditionellen Stils lassen sich Japaner bewirten, nehmen ein Bad und treffen sich zum großen Ringelpietz in der Hotelhalle, wo durch den einheitlichen Yukata und ein gewisses Maß an Alkohol für einen Abend alle Hierarchien fallen.

Sumo. Urjapanischer Ringkampf schwergewichtiger Herren, die schon von Kindesbeinen an für diesen göttlichen Sport den notwendigen Leibesumfang anfuttern müssen. Für Nichtjapaner ist die Begeisterung, die Sumo entgegengebracht wird, schwer nachzuvollziehen.

Tempel. Sie sind auch im modernen Japan nicht wegzudenken, stehen an den unmöglichsten Stellen, eingeklemmt zwischen Glaspalästen und Parkhäusern und bieten dem gestressten salari-man einen Augenblick des Innehaltens und der Kontemplation.

Ueno. Die Uno mit dem E dazwischen ist Tokyos reichhaltig bestückter Museumsbezirk, der durch seinen Park zur Kirschblütenzeit und den Zoologischen Garten bei den Japanern sehr beliebt ist.

Verpackung. Japan ist eine Hochburg der Verpackungskunst. Hätten wir doch nur ein wenig davon abbekommen. Was immer man kauft, es wird liebevoll und kunstvoll derart verhüllt, dass man es später gar nicht auspacken möchte.

Wa. Die Harmonie, einer der Wesenszüge der japanischen Kultur. Schon in der ersten Verfassung im Jahre 520 war Harmonie als Wert il verankert.

Xenophobie. Als Inselvolk, das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert in selbst gewählter Isolation gelebt hat, ist die Furcht vor Ausländern noch immer virulent. Japan ist kein Einwanderungsland, wenngleich die Zahl der Gastarbeiter zunimmt und erste Chinesenviertel entstehen.

Yakuza. Die japanische Mafia ist ein Faktor im öffentlichen Leben Japans mit einem gewissen Hang zur rechtsradikalen Ecke. Die Yakuza ist aber auch eine Ordnungsmacht, auf die die Polizei in Arbeitsteilung zählt. Wo die Yakuza in Spielhallen für Ordnung sorgt, muss die Polizei nicht eingreifen.

Zen. Spielt im übergeordneten Geistesleben der Japaner eine große Rolle. Die Kunst der Meditiation findet ihren sichtbarsten Ausruck in den berühmten Zen-Gärten Kyotos, die Jahr für Jahr Menschen aller Kulturen anziehen.

Rolf Brockschmidt

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