Sport : No Return

Alexander Popp scheitert im Viertelfinale knapp am Aufschlagwunder Mark Philippoussis

Benedikt Voigt

London. Es gibt einen deutschen Tennisfan in England, der hat unlängst bei den Buchmachern fünf englische Pfund auf Alexander Popp gesetzt. Und zwar noch vor dem Achtelfinale zu Beginn dieser Woche. Der Mann setzte nicht darauf, dass der deutsche Tennisspieler in Wimbledon noch eine Runde weiter komme, er wettete, dass Popp das ganze Turnier gewinnen werde. 750 Pfund wären in diesem Falle ausgezahlt worden. Das Geld kann er nun vergessen.

Es gab jedoch Momente im gestrigen Viertelfinale, in denen diese Wette sehr weitsichtig aussah. Alexander Popp hielt überraschend gut gegen den Australier Mark Philippoussis mit und verlor schließlich mit 6:4, 6:4, 3:6, 3:6, 6:8. Das Spiel hatte am Mittwoch um ein Uhr Ortszeit begonnen und endete am Donnerstag um 17.14 Uhr. „Ich bin im Moment sehr enttäuscht“, sagte Popp, „wenn man im Viertelfinale steht, will man auch gewinnen.“ Doch Philippoussis schlug zeitweise phänomenal auf. „Wenn er so aggressiv weiterspielt, kann er auch das Turnier gewinnen“, sagte Popp. Heute spielt der Australier im Halbfinale gegen den Franzosen Sebastien Grosjean, der mit seinem Sieg über Tim Henman die Hoffnungen aller Briten auf 2004 vertröstete. Im zweiten Halbfinale spielen der US-Amerikaner Andy Roddick und der Schweizer Roger Federer.

Beim Stande von 2:2 im fünften Satz hatte Popp das Spiel wieder aufgenommen, das am Vortag wegen Regens abgebrochen worden war. Philippoussis begann sofort wieder seine unglaublichen Aufschläge ins Feld zu hämmern, insgesamt schlug er 33 Asse. Popp hingegen erlaubte seinem Gegner im ersten Aufschlagspiel drei Breakbälle, ehe er zum 3:3 ausgleichen konnte. Der entscheidende Ballwechsel passierte im elften Spiel. Popp hätte mit einem Volleycross das erste Break des fünften Satzes schaffen können. Doch der Australier, der in seiner Wahlheimat San Diego jeden Morgen zwei Stunden surft, hechtete dem Ball wagemutig hinterher und beförderte ihn volley über das Netz zurück. „Diesen Ball trifft er bei zehn Versuchen einmal“, sagte Popp, „das sind so Bälle, die ein Spiel entscheiden.“ Philippoussis, der nach drei Knieoperationen wieder zu alter Stärke findet, ging mit 6:5 in Führung. Mit seinem nächsten Breakball gewann er nach drei Stunden und zwei Minuten das Match.

Popp empfand es als Nachteil, dass er im entscheidenden Satz immer einem Rückstand hinterherlaufen musste. Als er bei 5:5 einen Breakball hatte, drosch Philippoussis mit großem Risiko seinen zweiten (!) Aufschlag mit 192 km/h ins Feld. „Das hätte er sich vielleicht anders überlegt, wenn ich Matchball gehabt hätte“, glaubt Popp.

So aber endete das Turnier für Alexander Popp vor dem Halbfinale. So weit kam er vor drei Jahren schon einmal, doch diesmal war es eine schönere Erfahrung. „Weil ich jetzt weiß, was alles schief gehen kann.“ Das Pfeiffersche Drüsenfieber und eine Handoperation haben ihn fast zweieinhalb Jahre seiner Karriere gekostet. Nun fällt ein großer Druck von Popp ab, der erst im Mai wieder mit dem Tennisspielen begonnen hat. „Ich weiß jetzt, dass ich auch gegen die Großen mithalten kann, da fällt mir das Arbeiten wieder leichter.“ Monatelang hatte er sich auf dem Trainingsplatz und in der Kraftkammer gequält. Hinzu kamen finanzielle Sorgen. „Es ging um meine Existenz“, sagte er. Seit neun Monaten hat er kein Preisgeld mehr verdient, nur dank einiger Sponsoren konnte er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Nun dürften ihm die 108 000 Euro, die er für seinen Einzug ins Viertelfinale erhält, einige Zeit sehr helfen.

Popp schied als letzter Deutscher in Wimbledon aus. Der Rasen liegt seinem Spiel, trotzdem weicht er allen Prognosen für das nächste Jahr aus. „Ich habe aufgehört, so weit zu denken, weil sich die Dinge in den letzten Jahren nie so entwickelt haben, wie ich das wollte.“ Immerhin hat sich der Negativtrend in seiner Karriere wieder ins Gegenteil verkehrt.

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