Sport : Noblesse und Kiesgeschäft

Ein halbes Jahr nach dem Besitzerwechsel steht die Galopprennbahn Hoppegarten vor einem Höhepunkt

Hartmut Moheit

Berlin - Lange zu überlegen braucht Artur Boehlke nicht, als er nach seinem persönlichen Highlight beim Preis der Deutschen Einheit gefragt wird. Die graue Eminenz auf der Galopprennbahn in Hoppegarten erinnert sich sofort an 2006: „Wie da der Engländer Kieren Fallon mit Karavel in einem großen Finish noch den Sieg vor Torsten Mundry mit Saddex erkämpfte, das war sensationell.“ Ähnlich spannend stellt sich der 70-Jährige auch das Rennen am kommenden Freitag vor. Aber selbst, wenn das Hauptereignis des Tages, ein mit 50 000 Euro dotiertes Gruppe-III-Rennen nicht nach Boehlkes Wunsch ablaufen sollte, der Renntag wird ihm dennoch in Erinnerung bleiben.

Seitdem die Galopprennbahn vor knapp einem halben Jahr von Gerhard Schöningh gekauft worden ist, hat sich auf dem traditionsreichen Areal an der östlichen Berliner Stadtgrenze bereits sehr viel zum Guten gewandelt. War es Boehlke, der die Bahn über die vielen Jahre der Ungewissheit gebracht hatte und der dafür vor kurzem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, so begann mit dem seit 27 Jahren in London lebenden Schöningh eine neue Zeitrechnung. „Dieser 3. Oktober hat den Wert einer Messe“, sagt der neue Eigentümer. „Wir haben einiges getan, um die Attraktivität zu erhöhen.“

Während es am Rasengeläuf für die neun Rennen nicht sehr viel zu verbessern gab, investierte Schöningh erst einmal in die denkmalgeschützten Tribünen. „Die sanitären Einrichtungen mussten erneuert werden, aber für die zukünftige Vermarktung musste zeitgleich auch ein attraktiver Hospitality-Bereich geschaffen werden“, sagt er. Welche Auswirkung das neue Niveau haben könnte, beschreibt Galopp-Trainer Christian von der Recke in der „Sport-Welt“. „Wenn es in einer Metropole wie Berlin gelingt, in der rund dreieinhalb Millionen Menschen leben, nur ein Prozent zu motivieren, an diesem Sport teilzunehmen, wäre das mindestens ein Publikum von 30 000“, schreibt er darin. „Und wenn davon nur ein Prozent ein Rennpferd kauft, wäre der Pferdebestand in Hoppegarten etwa verdreifacht.“ Derzeit sind es noch etwa 120 Pferde die dort trainiert werden.

Mit der sogenannten Hoppegarten- Lounge und dem nunmehr sehr noblen Bereich der Klubtribüne möchte man wieder jenes Klientel anlocken, das Geld in die Kassen bringt. Aber auch das Standpublikum, die Masse auf der weitläufigen Anlage – im Volksmund auch Kiesgeschäft genannt –, profitiert vom neuen Flair. „Alle sollen sich in Hoppegarten wohlfühlen“, sagt Gerhard Schöningh, der sich selbst einen Plan für die nächsten fünf Jahre gesetzt hat: „Topausstattungen, mehr hochwertige Rennen mit höheren Dotierungen und ein Zuwachs an in Hoppegarten trainierten Pferden, das braucht seine Zeit.“ Derzeit gehe es ihm darum zu zeigen, dass wieder etwas Positives passiere. „Fünf bis zehn Prozent von dem was ich mir vorgenommen haben, ist erreicht worden“, sagt Schöningh. Nach einem kurzen Überlegen schränkt er aber ein: „Vielleicht auch weniger.“

Das von ihm gesandte Signal wirkt dennoch bereits positiv. 167 Pferde, darunter aus den besten deutschen Ställen, sind für den vorletzten Saisonrenntag in Hoppegarten angemeldet worden. Für den Preis der Deutschen Einheit sind es 13 Pferde. Der Favorit von Artur Boehlke ist diesmal der 4-jährige Hengst Zaungast aus Köln.

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