Sport : Noch 1 Tag (5 Tage): Helden-Sagen

Am Sonnabend wollen elf deutsche Kicker Teil eins

Am Sonnabend wollen elf deutsche Kicker Teil eins (am Mittwoch Teil zwei) des größten anzunehmenden Unfalls der deutschen Fußball-Historie, das Scheitern in der WM-Qualifikation, verhindern. Wie geht es unseren - potenziellen - Rettern?

Es wird ernst, die Mannschaft ist abgeflogen - im strömenden Regen(!). Erste Zweifel machen sich breit, die Sache mit den Unentschieden ist doch komplizierter als gestern angenommen. Zum Golden Goal - und damit zu Bierhoffs Chance - kommt es nur bei zwei identischen Unentschieden. Ansonsten werden bei Punkt- und Torgleichheit die auswärts mehr erzielten Treffer zu Rate gezogen, ob nun die Ukraine oder Deutschland zur WM fahren darf. Sollten sie Remis spielen wollen, sollten unsere Retter also schon 5:5, besser noch 7:7 am Sonnabend (18 Uhr, MESZ/live auf Sat 1) spielen. Zur Beunruhigung hat auch beigetragen, dass der gestern noch verletzte Risikospieler Wörns das Training wieder aufgenommen hat und sein Einsatz droht.

Als emotional aufgeheizt könnte man die Stimmung wohl bezeichnen. Carsten Jancker, zum Beispiel, ist sehr aufgebracht und hat angekündigt, dass sich die Mannschaft gegen die heftige Kritik der vergangenen Wochen wehren werde. "Auch wenn jetzt überall steht, es ist die letzte Chance, das wissen wir allein", schnaubte er 48 Stunden vor dem Anpfiff durch den italienischen Referee Braschi. Ob er beim Wehren helfen kann, ist offen. Eigentlich gilt sein Münchner Kollege Zickler in Kiew als Spitze nominiert, aber Jancker hat sich im Training nach sechswöchiger Verletzungspause mit all der ihm gebotenen Wucht empfohlen. Immerhin trug er beim Trainingsspielchen ein oranges Leibchen als Signal für einen möglichen Platz in der Startelf.

Defätismus oder Realismus - was ist das, was die Stimmung in der Heimat prägt? Franz Beckenbauer, der ja bekanntermaßen alles und noch mehr über Fußball weiß, hat ein Urteil gefällt: "Wir sind guter Durchschnitt, mehr nicht. Es hat keinen Sinn, uns selbst zu beschwindeln." Schwarzmalerei? Die Wirklichkeit? Konfuzius, Beckenbauers Hauslehrer, schweigt. Schwere Zeiten. Was auch am Pfeifen im Walde von Krisenmanager Karlheinz Rummenigge abzulesen ist: "So komisch es klingt, die zweite Halbzeit gegen Finnland stimmt mich zuversichtlich. Darauf sollte man aufbauen." Zur Erinnerung: Deutschland - Finnland ging 0:0 aus, Finnland ist eher unter dem Durchschnitt.

Nochmal Heimatstimmung: Pierre Littbarski, (Weltmeister von 1990): "Ich sehe die Chancen bei mehr als 50 Prozent, weil wir im Endeffekt die besseren und vor allem erfahreneren Einzelspieler haben." Wer weiß mehr: Beckenbauer oder Littbarski?

Heimat zum letzten: Heribert Bruchhagen, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, befürchtet bei Scheitern schlimmste Auswirkungen bis runter in die Amateurliga. Bauunternehmer, die 5000 Mark übrig hätten für eine Bandenwerbung, zögen sich zurück. Das wäre auch nicht schön.

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