Sport : Noch ein Abpfiff

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Benedikt Voigt über die Knicke

in Toni Schumachers Laufbahn

Wie man heute weiß, war Harald Schumacher im März 1987 seiner Zeit voraus. Jahre vor Dieter Bohlens und Stefan Effenbergs literarischen Ergüssen veröffentlichte der Fußballtorwart, den alle nur Toni nennen, ein autobiografisches Buch mit dem Titel „Anpfiff“. Es enthielt Dopinganschuldigungen, Beleidigungen von Mitspielern und Vorwürfe gegen Funktionäre, kurz gesagt, alles, was ein Bestseller braucht. Folgerichtig verkaufte sich das Buch in 13 Ländern etwa eine Million Mal, und es brachte dem Verfasser neben Geld den Rauswurf beim 1. FC Köln und aus der Nationalmannschaft. Trotzdem sagte Toni Schumacher später: „Lieber einen Knick in der Laufbahn als im Rückgrat.“

Gestern musste Toni Schumacher den nächsten Knick seiner Laufbahn hinnehmen. Bayer Leverkusen benötigt nach zweieinhalb Jahren seine Dienste als Torwarttrainer nicht mehr. Er soll sich mit Trainer Klaus Augenthaler uneins gewesen sein, wie oft ein Torwart am Tag zu trainieren habe. Doch bei dieser Trennung dürften auch andere Aspekte eine Rolle spielen. Schumacher war das letzte Relikt aus dem Trainerfunktionsteam, das Berti Vogts vor zweieinhalb Jahren bei Bayer installiert hatte. Spricht man heute von diesem vierköpfigen Team, ruft das nur noch Schmunzeln hervor. Nur logisch, dass Leverkusen das Vermächtnis des Berti Vogts loswerden will. Zumal die Torhüter Jörg Butt und Frank Juric im Jahr der Vizemeisterschaft und erst recht im Abstiegskampf der vergangenen Saison nicht den Eindruck der Unbezwingbarkeit hinterlassen hatten.

Was aber macht einer wie Toni Schumacher, der sich nach seiner sportlichen Karriere bereits erfolglos als Trainer von Fortuna Köln versuchte? Vielleicht sollte er den Rauswurf als Zäsur betrachten und das machen, was er kann. Ein Buch schreiben. Der Titel könnte lauten: „Die Pause“.

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