Sport : Noch ein Abschied

Fernando Alonso verlässt Renault mit dem Titel und denkt schon an sein Karriereende

Karin Sturm

São Paulo - Auch Fernando Alonso bekam seinen Abschied. Direkt nach dem Rennen eilte er auf schnellstem Wege in die Renault-Garage, um alle Ingenieure und Mechaniker zu umarmen und sich noch einmal für die fünf gemeinsamen Jahre zu bedanken. Der neue und alte Weltmeister wird Renault nach dieser Saison Richtung McLaren-Mercedes verlassen, doch am Sonntagabend feierte Alonso mit seinem Team noch einmal seinen Titel und den des Teams in der Konstrukteurs-WM. Zum Abschied hatten sich noch einmal alle lieb, Alonso bekam als Geschenk unter anderem eine große Fotocollage, die das Team für ihn zusammengestellt hatte. Vergessen waren die Querelen im Laufe des Jahres – unter anderem hatte er Renault vorgeworfen, ihn im WM-Kampf nicht genügend zu unterstützen –, und seine gefühlvolle Abschiedsrede rührte angeblich einige Teammitglieder fast zu Tränen. Alonso hatte diese Phase kurz zuvor bereits durchlebt: „Ich habe im Auto geweint.“

Aber auch gegenüber seinem Konkurrenten Michael Schumacher schlug der Spanier in der Stunde des Triumphes respektvolle und versöhnliche Töne an. Noch vor kurzem hatte er den siebenmaligen Weltmeister – wenn auch angeblich falsch zitiert – der Unsportlichkeit bezichtigt, nun ließ er verlauten: „Es war eine Ehre, gegen Michael zu fahren. Dass ich meine beiden Titel noch gegen ihn gewonnen habe, macht sie besonders wertvoll.“

Allerdings ließ er es sich nicht nehmen, noch einmal darauf hinzuweisen, dass sich durch den Titelgewinn seine Meinung über gewisse Vorfälle während der Saison nicht geändert habe. Nicht vergessen sind „Ungerechtigkeiten“ wie das Verbot der sogenannten Schwingungsdämpfer am Renault und seine umstrittene Strafe im Qualifying in Monza, die ihn sogar dazu veranlasst hatte, der Formel 1 ihren Status als Sportart abzusprechen. „Einige Dinge, die in diesem Jahr passiert sind, werden mich innerlich mein Leben lang begleiten“, sagte Alonso. „So etwas wird nicht ausgelöscht, nur weil uns doch noch der verdiente Erfolg gelungen ist.“

In diesen Worten zeigte sich, dass Alonso mit seinen gerade mal 25 Jahren als Persönlichkeit deutlich gereift ist und sich traut, auch gegen den unermüdlichen Einsatz der PR-Polizei in der Formel 1 unpopuläre Meinungen zu äußern. Der schon Ende 2005 beschlossene Wechsel von Renault zu McLaren war ein deutlicher Schritt, der die Emanzipation von seinem Noch-Manager, dem Renault-Teamchef Flavio Briatore, darstellt.

Diese Attitüde birgt freilich auch Konfliktpotenzial bei Alonsos neuem Arbeitgeber McLaren-Mercedes, dem perfektionistischsten aller Formel- 1-Teams. Doch noch loben die Bosse Ron Dennis und Norbert Haug die Direktheit ihres neuen Stars: „Was er sagt, ist in den meisten Fällen sehr durchdacht und auf den Punkt gebracht.“ Mika Häkkinen, der letzte Weltmeister im McLaren, ist ebenfalls überzeugt davon, dass dies „eine sehr, sehr starke Kombination über die nächsten Jahre“ werden kann.

Wenn sie von Beginn an gut funktioniert, könnte der Spanier eine ähnlich dominante Rolle einnehmen wie Schumacher bei Ferrari zu Beginn des Jahrtausends. Doch obwohl Alonso den Deutschen nun als jüngsten Doppelweltmeister abgelöst hat, muss sich Schumacher keine allzu großen Sorgen um seine restlichen Rekorde machen: „Mich mit drei WM-Titeln zurückzuziehen, das wäre das Ziel meiner Karriere.“

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