Sport : Noch ein Bier, bitte!

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Armin Lehmann über

ein hart geführtes Match der Designer

Die Bundesliga hat sich artig damit abgefunden, dass der Deutsche Meister 2003 FC Bayern heißen wird. An manchen Stammtischen ist es deshalb schon so langweilig geworden, dass selbst das Bier nicht mehr schmecken mag. Dafür hat sich, unbemerkt von breiter Öffentlichkeit, das deutsche Design aufgerafft, um den deutschen Fußball zu retten. Und da der Fußball in Gestalt des Deutschen FußballBundes (DFB) sich nicht retten lassen will, ist ein richtiges Kampfspiel draus geworden. „Freude, Heiterkeit und Emotionen“ (Freunde des WM-Logos) treten an gegen „Identität, Zusammengehörigkeitsgefühl und Spaß“ (die Kritiker).

Die Kritiker, Deutschlands Designer, hatten sich empört gezeigt über das offizielle deutsche WM-Logo 2006, „ein Desaster“, „schrecklich, kindisch, nicht authentisch, irrelevant“ und sind selbst aufs Kreativfeld gegangen (Entwürfe Seite 20). Aber Fifa und DFB wollen nur ein Freundschaftsspiel. Zwar sei das ganz toll, wenn sich so viele kreative Köpfe mit dem Thema Fußball beschäftigten, ließ man sinngemäß verlauten, aber unmissverständlich hinzufügen: „Eine Diskussion über eine Neugestaltung hat es nicht gegeben und wird es nicht geben.“

Trotzdem haben sich die offiziellen Logomacher der Münchner Agentur Abold in aller Freundschaft auch zu verbalen Fouls hinreißen lassen. Klassisches deutsches Design, wird da gehöhnt, das seien ja wohl „mit dem Lineal gezogene Striche“. Schlichtweg „einen Ball zu malen“ sei zu simpel, grätscht Abold den Kritikern in die Beine, um mit einem sinnbildlichen Gewaltschuss zu enden: „So simpel kann die Welt nicht sein.“

Bleibt zu wünschen, dass dieses Match endlich am Stammtisch diskutiert wird. Damit das Bier wieder besser schmeckt.

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