Sport : Noch eine Kapitulation

Erschreckend harmlos verabschiedet Leverkusen sich von der Rolle des Bayern-Jägers.

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Der Mann mit dem goldenen Fuß. De Camargo erweist Arango die Ehre. Foto: dpa
Der Mann mit dem goldenen Fuß. De Camargo erweist Arango die Ehre. Foto: dpaFoto: dpa

Hannover - Der Verlierer setzte nur leicht betretene Gesichter auf. Ein wirkliches Entsetzen darüber, dass sie mit der 2:3-Niederlage bei Hannover 96 eine weitere große Chance verspielt hatten, war nicht zu erkennen. „Das wirft uns jetzt nicht um“, meinte Stürmer Stefan Kießling. „Es hätte nicht sein müssen“, sagte sein Zuarbeiter Lars Bender und lächelte trotzdem. Die Reaktionen der Spieler von Bayer Leverkusen machten deutlich, wohin ihr Blick wirklich geht. Nicht nach oben in der Tabelle, wo sich der FC Bayern München schon um elf Punkte entfernt hat, sondern nach hinten auf die Verfolger. Mit der Pleite in Hannover hat sich der Tabellenzweite in die lange Schlange jener Klubs eingereiht, die vor der Dominanz der Münchener kapitulieren. „Das war doch schon nach dem fünften oder sechsten Spieltag klar, dass die in einer eigenen Liga spielen“, gestand Nationalspieler Bender.

Wer darauf gewartet hatte, dass hier einer zum Abschluss des 16. Spieltages der Fußball-Bundesliga und dem enorm angewachsenen Münchener Vorsprung mit der Faust auf den Tisch haut, wurde im gesamten Leverkusener Tross nicht fündig. Es war schon erschreckend, wie wenig die Leverkusener mit der ihnen angedachten Rolle anfangen konnten. Sie waren der letzte der so genannten Bayern-Jäger, nachdem auch Titelverteidiger Borussia Dortmund und Schalke 04 ihre Meisterschaftsambitionen frühzeitig verspielt haben. „Wir wissen, was wir können und wollen den zweiten Tabellenplatz halten. Für unsere Verhältnisse spielen wir eine außergewöhnliche Saison. Und die Bayern sind eine Ausnahmemannschaft“, sagte Manager Rudi Völler. Die Demut, mit dem sie dem Branchenprimus aus München begegnen, rundet einen Spieltag vor der Winterpause einen kollektiven Kniefall der Liga ab.

„Elf Punkte sind schon ein ziemlicher Klops. Da fehlt mir die Phantasie, um mir vorzustellen, dass sich an der Tabellenspitze noch etwas ändert“, sagte Jörg Schmadtke, der Manager von Bayer-Bezwinger Hannover Den Niedersachsen hatte eine solide Energieleistung gereicht, um Leverkusen zu entzaubern. Ihr Heimsieg, der 96 wieder Hoffnungen im Wettrennen um einen internationalen Startplatz macht, hat nebenbei dafür gesorgt, dass auch der letzte der vermeintlichen Bayern-Jäger Pfeil und Bogen brav abgegeben hat. Christian Otto

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