NOCH EINE REVOLUTION : Frauen dürfen mit Kopftuch spielen

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Diese Nachricht wäre ob der Entscheidung zugunsten der Torlinien-Technologie beinahe untergegangen. Dabei hat sie eine ebenso historische Dimension: Das für Fußballregeln zuständige International Football Association Board (Ifab) hat am Donnerstag endgültig entschieden, dass muslimische Fußballerinnen künftig Kopftücher tragen dürfen. Die Debatte war nach dem vorzeitigen Ausscheiden der iranischen Fußballerinnen bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele in London erneut aufgeflammt. Nachdem das iranische Team die erste Runde ohne Niederlage überstanden hatte, sagte der nationale Fußballverband das Zweitrunden-Match gegen Jordanien ab. Begründung: Die Spielerinnen sollten ohne Kopftuch auflaufen. Die Partie wurde als 0:3-Niederlage gewertet, ebenso die drei anderen geplanten Begegnungen dieser Runde. Um derartige Vorfälle auszuschließen, revidierte das Ifab nun ein entsprechendes Verbot aus dem Jahr 2007. Schließlich hatten selbst die Vereinten Nationen interveniert.

„Von dieser Entscheidung zugunsten der Religionsfreiheit profitieren nicht nur Nationalteams, sondern vor allem die Vereine an der Basis“, sagt Mehmet Matur. Der Integrationsbeauftragte des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) hat sich viele Jahre dafür eingesetzt, das Verbot zu kippen. „Wir haben in Berlin viele muslimische Mädchen, die Fußball spielen wollen“, sagt Matur. Bislang seien diese aber nicht nur vom Breitensport ausgeschlossen, sondern vor allem in der Entwicklung ihres Selbstbewusstseins eingeschränkt worden. Die Reform begrüßt Matur nun. Das Argument der Kritiker, die Verletzungsgefahr steige durch das Tragen eines Kopftuches erheblich, will der Integrationsbeauftragte nicht gelten lassen: „Das ist für mich ein Alibi derjenigen, die nicht kompromissbereit waren und sind.“

Das Argument fand auch bei der Ifab kein Gehör. Auf der Jahresgeschäftssitzung im Oktober in Glasgow will das Gremium über die zulässigen Schnitte, Farben und Materialien entscheiden. Christoph Dach

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