Sport : Noch eine Überraschung

Lilli Schwarzkopf holt Bronze im Siebenkampf

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Carolina Klüft verwandelte sich auf einmal von einer Siegerin in eine Gastgeberin. Alle Teilnehmerin des Siebenkampes lud die Schwedin ein, mit ihr im Stadion zu feiern. Sie wollte die Begeisterung des Publikums mit ihnen teilen. Für sie selbst blieb sowieso genügend Aufmerksamkeit übrig: Eingehüllt in eine schwedische Fahne posierte sie für Publikum und Kameras, und während ihre Kolleginnen über die Bahn liefen, tanzte die 23-Jährige ausgelassen. Zur Ruhe kam sie erst, als die schwedische Kronprinzessin ihr die Medaille umhängte und ein Chor die Nationalhymne sang.

Klüfts Europameistertitel war keine Überraschung, gerade nachdem ihre härteste Konkurrentin Eunice Barber aus Frankreich wegen muskulärer Probleme aufgegeben hatte. Für die Überraschungen waren zwei Deutsche gut, Lilli Schwarzkopf vom LC Paderborn und Jennifer Oeser von Bayer Leverkusen. Beide erzielten persönliche Bestleistungen, und Schwarzkopf kam mit 6420 Punkten auf Platz drei, Oeser mit 6376 Punkten auf Platz vier. Nur vier Punkte fehlten Schwarzkopf, dann hätte sie sogar noch die Zweitplatzierte Karin Ruckstuhl aus Holland hinter sich gelassen.

Am ersten Tag hatte Lilli Schwarzkopf noch auf Platz acht gelegen, ehe ihr am zweiten Tag ausgezeichnete Leistungen gelangen. Beim Speerwurf war sie mit 51,36 Metern von keiner zu übertreffen, und beim abschließenden 800-Meter- Rennen war sie aus dem Teilnehmerfeld mit 2:11,85 Minuten die zweitschnellste. „Ich bin sprachlos“, sagte die 22 Jahre alte Athletin. „Die Stimmung war einfach grandios und wir zwei Deutsche haben zwei gute Tage hingelegt.“

Auch Jennifer Oeser war begeistert, obwohl sie durch den 800-Meter-Lauf noch von Platz zwei auf Platz vier zurückfiel. „Das Ziel war eigentlich, unter die besten zehn zu kommen“, sagte sie. Als sie nach dem guten Speerwerfen und 48,52 Metern sogar auf Platz zwei vorrückte, habe sie „einen richtigen Schreck bekommen“. Oeser ist ebenfalls erst 22 Jahre alt. „Die Großen unseres Sports haben mich jetzt sich wahrgenommen“, sagte sie.

Damit hat sie sicher auch Carolina Klüft gemeint, die den Siebenkampf souverän beherrschte und am Ende mehr als 300 Punkte Vorsprung hatte. „Der schwerste Moment war am Montag, als ich mit Schmerzen am Hüftbeuger ins Stadion kam. Aber ich habe geschafft, was ich mir vorgenommen habe“, sagte Klüft. In Göteborg zeigte sie wieder eine Mischung aus konzentriertem Ernst und sportlicher Leichtigkeit. „Es gibt kein Geheimnis bei uns. Wir trainieren hart und wollen Spaß haben.“ Sie schaut auf sich selbst, aber bezieht die anderen mit ein, macht sich Gedanken über die Probleme der Welt und scheint vom Doping meilenweit entfernt zu sein. Im Moment ist Carolina Klüft das gute Gewissen der Leichtathletik.

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