Sport : Noch einmal nein

Trainer Christoph Daum sagt Köln schon wieder ab

Erik Eggers

Köln - Es waren aufregende Tage in Köln. Verursacher war Michael Meier, der Manager des krisengeschüttelten Zweitligisten 1. FC Köln, der nach der Entlassung des Schweizer Trainers Hanspeter Latour das offizielle Interesse an Christoph Daum bekannt gegeben hatte. Die kölsche Fußballseele wünschte sich Daum wieder am Geißbockheim. Denn unter seiner Regie (1986-1990) hat der Kölner Klub seine letzte große Zeit gehabt, mit ihm feierte man 1989 und 1990 den inoffiziellen Titel „Vizemeister“. Am gestrigen Dienstag aber hat Daum erneut und diesmal endgültig abgesagt, „aus gesundheitlichen Gründen“. Damit ist der FC, der als Tabellenneunter derzeit fünf Punkte hinter einem Aufstiegsplatz liegt, weiterhin ohne Trainer.

Das Spektakel, das sich in den letzten Tagen vor Daums Haus im Kölner Nobelvorort Hahnwald abgespielt hat, ist wahrscheinlich nur in Köln vorstellbar. Kamerateams beobachteten jeden Besuch von Manager Meier und Klubpräsident Wolfgang Overath. Noch am Montag hatte Präsident Overath den Fans im „Express“ Hoffnung gemacht. „Es waren sehr interessante Gespräche, beide Seiten haben Vorstellungen und Konzepte ausgetauscht und sich Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben“, berichtete er.

Eine Posse nach kölscher Art ist das Ganze auch deshalb, weil Daum am Samstagvormittag, bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz im St. Elisabeth-Krankenhaus, wo er sich die Mandeln hatte herausnehmen lassen, abgesagt hatte. Er nannte als Grundvoraussetzung für seinen Einstieg „internationale Perspektiven“ – wovon Köln im gegenwärtigen Zustand Jahre, vielleicht Jahrzehnte entfernt ist.

Das Spektakel der letzten Tage dokumentiert freilich, dass die Kokainaffäre Daums aus dem Jahre 2000, die ihn die schon sicher geglaubte Anstellung als Bundestrainer gekostet und eine Bewährungsstrafe eingebracht hatte, zumindest in Köln vergessen ist – obwohl einige Mitglieder des Verwaltungsrats, des wichtigsten Klubgremiums, intern mehr als nur murrten. Das Vakuum auf der Trainerbank zu füllen, ist nun keine leichte Aufgabe für Präsident Overath, der in den letzten zweieinhalb Jahren vier Trainer verschlissen hat. Zumal jeder neue Kandidat nach dem vergeblichen Werben um Christoph Daum nur noch als zweite Wahl erscheint.

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