Sport : Noch Fehler im System

Pep Guardiolas Bundesligadebüt verrät einige Schwächen im Spiel der Bayern.

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Zum Erfolg gedrängelt. Jerome Boateng (links, rechts der Mönchengladbacher Christoph Kramer) und der FC Bayern hatten in ihrem Auftaktspiel doch mehr Mühe als allgemein erwartet. Foto: dpa Foto: dpa
Zum Erfolg gedrängelt. Jerome Boateng (links, rechts der Mönchengladbacher Christoph Kramer) und der FC Bayern hatten in ihrem...Foto: dpa

Pep Guardiola gefiel nicht ganz, was er da sah. Der neue Trainer des FC Bayern München gestikulierte wild am Spielfeldrand, versuchte, seine Spieler auf dem Platz mit Handzeichen zu dirigieren. Aber die verstanden offenbar gar nicht, was ihr Trainer wollte, oder sie konnten die Zeichen nicht richtig deuten. Da kam eine kurze Unterbrechung recht. Guardiola holte David Alaba an die Seitenlinie und redete auf ihn ein. Der Österreicher nickte nach dem kurzen Vortrag. Ob er tatsächlich alles verstand, was Guardiola ihm da auf Deutsch zu erklären versuchte, ist fraglich. Aber immerhin korrigierte er seine Position.

Es lag allerdings nicht allein an Alaba, dass Borussia Mönchengladbach dem Triple-Sieger beim Auftakt in die neue Bundesligasaison am Freitagabend mit Kontern zusetzte, vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte. Der 3:1 (2:1)-Sieg war am Ende zwar ungefährdet, aber in vielen Phasen nicht souverän. „Bei Ballverlusten waren wir nicht gut vorbereitet auf den Positionen“, sagte Guardiola, weshalb das Pressing nach vorne nicht im Stile einer modern spielenden Spitzenmannschaft funktionierte. Ein international höherklassiger Gegner als die Gladbacher hätte die Räume im Mittelfeld, die der FC Bayern gewährte, vermutlich effektiver genutzt. Patrick Herrmann stieß auf der von Alaba besetzten Seite zwar immer wieder nach vorne, weil sich der Münchner Linksverteidiger zu weit hinten positioniert hatte, aber die Vorstöße der Mannschaft von Trainer Lucien Favre wurden nicht konsequent genug zu Ende gespielt.

Beim Auftakt bestätigte sich, was sich in ein paar Vorbereitungsspielen bereits angedeutet hatte. Die Defensive der Bayern wirkt anfällig, viel anfälliger als in der vergangenen Saison. „Wir haben zu viel zugelassen“, gibt Thomas Müller zu, aber das solle „keine große Debatte auslösen“. Es gibt plausible Gründe dafür, und die haben nichts mit Umstellungen zu tun, der Trainingsrückstand von Dante zum Beispiel, der mit seinem Eigentor seine frühere Mannschaft wieder ins Spiel gebracht hatte, oder bei Bastian Schweinsteiger. Aber es könnte auch daran liegen, dass Guardiola lieber mit vier statt mit drei offensiven Mittelfeldspielern spielt und deshalb vor der Abwehr eine zusätzliche Absicherung fehlt. Die Bayern spielten jahrelang mit zwei Sechsern. „Wir brauchen einfach noch Zeit, um die Automatismen reinzubekommen“, sagt Philipp Lahm. Guardiola schloss nun nicht mehr aus, dass er zur bewährten Taktik zurückkehren könnte. „Vielleicht werde ich das System wechseln“, kündigte er an.

In der Offensive lief es dagegen fast so wie am Ende der vorigen Saison. Arjen Robben, Torschütze des ersten Treffers der neuen Saison, und Franck Ribéry, der offensichtlich noch einmal Punkte sammeln wollte im Kampf um die Ende August zu vergebende Trophäe für Europas Fußballer des Jahres, sprühten vor Spiellaune. „Wir haben viel Spaß, das ist das Wichtigste", sagte Ribéry. Und Sturmspitze Mario Mandzukic empfahl sich mit dem zweiten Münchner Treffer für einen weiteren Einsatz in der Anfangself, der aber bei der Rückkehr des dieses Mal wegen Fiebers fehlenden Thiago gefährdet sein könnte. Nur Thomas Müller kam dieses Mal nicht so richtig ins Spiel – und verschoss obendrein den ersten von zwei Handelfmetern, die Schiedsrichter Tobias Welz innerhalb von einer Minute gab. Alaba machte es dann besser und dürfte sich in der internen Elfmeter-Rangliste nun wieder auf den ersten Platz geschoben haben.

Pep Guardiola wirkte auch eine halbe Stunde nach Spielende noch angespannt und nervös. Immer wieder griff er sich bei seiner Spielanalyse hektisch ins Gesicht und rieb sich ungewöhnlich oft die Augen. Seine Fahrigkeit ließ erahnen, dass seine Sorge, der Auftakt könnte misslingen, groß gewesen war. „Wir brauchten diesen Sieg“, sagte er, „um Ruhe zu haben und den Druck herauszunehmen.“

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