Sport : Noch keine Ruhe

Jubel um Max, Tumulte um Wildmoser und Ärger mit Mykland: Mit dem 1:0 gegen Energie Cottbus kehrte der TSV 1860 München zwar auf Erfolgskurs zurück, aber die Welt ist bei den "Löwen" trotzdem nicht in Ordnung. Auf der turbulenten Versammlung des Fußball-Bundesligaclubs setzten die Mitglieder dem Vereinspräsidenten mit Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen derart zu, dass Wildmoser an dem durch ein Tor von Martin Max sicher gestellten Erfolg keine rechte Freude mehr hatte. Und Erik Mykland, der aus dem Profikader gestrichen wurde und offenbar an einen Abschied aus München denkt, sorgt für zusätzlichen Konfliktstoff im Verein.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Der 31-jährige Norweger, nach seiner schwachen Leistung im Pokalspiel gegen Mönchengladbach von Trainer Peter Pacult nicht mehr berücksichtigt, war nicht unter den 18 600 Zuschauern, als Max in der 71. Minute per Kopfball den Arbeitssieg perfekt machte und den Heimkomplex der zuvor zu Hause drei Mal besiegten Sechziger beendete. "Ich weiß nicht, was ich hier noch soll", hatte Mykland zuvor in einer Münchner Zeitung laut über einen Weggang nachgedacht, doch für den Präsidenten ist das kein Thema. "Wir wollen ihn nicht abgeben", sagte Wildmoser, nahm den Mittelfeldspieler aber in die Pflicht: "Er muss die Leistung abrufen, die wir von ihm erwarten."

Beim Einbahnstraßen-Fußball gegen die völlig harmlose Elf aus der Lausitz erfüllten die Münchner erst nach dem Platzverweis des Cottbuser Liberos Vragel da Silva (53.) ihr Soll. "Der Knackpunkt war die Rote Karte", meinte Energie-Trainer Eduard Geyer nach dem Spiel voller Enttäuschung, "danach ist das Spiel an uns vorbei gelaufen und zum Ausgleich fehlte uns der Mut und auch die Klasse." Mit dem Negativerekord von elf sieglosen Spielen sei das Selbstvertrauen weiter gesunken und die nervliche Belastung gestiegen, aber an den Klassenverbleib glaubt Geyer dennoch: "Wenn ich keine Hoffnung hätte, könnte ich in den Ruhestand gehen." So wie sich Cottbus jedenfalls im grauen München präsentierte, führt der Weg direkt in die Zweite Liga. Pacult hatte dagegen mit Ausnahme der unbefriedigenden Chancenverwertung nichts an seiner Mannschaft zu bemängeln. "Sie hat Geduld und Ruhe bewahrt. Wie sie sich derzeit präsentiert, ist sehr lobenswert", sagte der Österreicher. Seine schwierigste Aufgabe vor dem Südderby am Samstag beim VfB Stuttgart dürfte wohl sein, den störrischen Mykland zu besänftigen.

Weitaus mehr Aufregung als das wenig unterhaltsame Fußballspiel bot die Versammlung am Vormittag im Münchner Löwenbräukeller. Mit großer Mehrheit erteilten die Mitglieder den Vereinsdelegierten den generellen Auftrag, im Februar die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft zu beschließen. Wildmoser wurde von seinen Freunden mit stehendem Applaus gefeiert, aber seine Gegner waren weder durch die Ausschluss-Androhung des Versammlungsleiters noch durch die Präsenz entschlossener Ordnungskräfte klein zu kriegen.

Die 75 Mitglieder, die gegen den vor der Versammlung geänderten Satzungsänderungstext stimmten und einen Verlust ihrer Rechte gegenüber den "leicht steuerbaren" Delegierten befürchten, brachten den Vereinschef mit "Wildmoser raus"-Geschrei in Not, doch ein besorgter Transportunternehmer kam dem zornigen Großgastronomen ("Ihr seid Feiglinge, die keine Verantwortung tragen") zu Hilfe und richtete an die Nicht-Krawallmacher den leidenschaftlichen Appell: "Schützt unseren Präsidenten!"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben