Sport : Noch läßt Zanardi seine Fans zappeln

HARTMUT MOHEIT

MONTE CARLO .Seine Hoheit lassen racen, seit 1929 einmal im Jahr.Und die überwiegende Mehrheit der Formel-1-Fahrer, denen zwischen La Rascasse, Casino-Kurve, Loews und Nouvelle die ganze Leidenschaft zukommt, hat jedesmal ein Heimspiel.Nur wenige der aktuellen Stars, wie die Ferrari-Stars Michael Schumacher und Eddie Irvine sowie Jordan-Pilot Damon Hill, zählen nicht - oder nicht mehr - zu den Untertanen der Grimaldi-Dynasti im Fürstentum Monaco.Andere schon.Seit diesem Jahr gehört auch Alessandro Zanardi wieder dazu."Vor dem harten Job im eigenen Bett zu schlafen, das hat doch was", meint der Mann aus dem Williams-Team gut gelaunt.Hinzu kommt für ihn, daß der Grand Prix in Monaco - viele glückliche Umstände vorausgesetzt - eine besondere Chance bietet.Vielleicht die einzige in dieser Saison.Und das hat eine Vorgeschichte.

Frank Williams verzog keine Miene, als es um die "Doughnuts", die Pirouetten mit den Autos, ging: "Mit meinen machst du das nicht." Zanardi hatte seinen Teamchef extra danach gefragt, was der von seinem Markenzeichen halten würde, obwohl ihm die Antwort von vornherein völlig klar war."Ich bin ein emotionaler Mensch.Bei einem Sieg würde ich mich wohl dennoch davon nicht abhalten lassen." Von jenem reifenzerfressenden Kringeln mit dem Rennwagen vor der Haupttribüne, mit dem er die Amerikaner an den ChampCar-Pisten - früher IndyCar - zwei Jahre lang in Euphorie versetzte.Wenn ihr Alex im Reynard-Honda die sündhaft teuren Gummis auf der Piste qualmen ließ, dann gab es jedesmal kein Halten mehr.Zanardis Schnelligkeit und Aggressivität, die ihm in fünfzig Rennen fünfzehn Siege und zweimal hintereinander den ChampCar-Titel einbrachten, waren immer nur das Vorspiel.

Wer konnte diesen Erfolg in den USA, beim Pendant zur Formel 1, vorher ahnen? Chip Ganassi glaubte an Zanardis Fähigkeiten, gab dem aus Europa als "Looser" über den großen Teich gekommenen Nägelkauer ("Meine schlimmste Angewohnheit") einen lukrativen Vertrag."Andere Fahrer suchen das perfekte Auto.Alex nicht.Er arbeitet daran, es perfekt zu machen", ist er heute noch voll des Lobes über den Witzbold aus Bologna, dem nach dem ersten Teil seiner Rennfahrer-Karriere das Lachen schon vergangen war.In der Formel 1 gehörte er zwar zwischen 1991 und 1994 bei Jordan, Minardi und Lotus zum exklusiven Kreis der Fahrer und startete bei 25 Grand Prix, aber nur ein WM-Punkt (Sechster 1993 in Brasilien) war seine ganze Ausbeute.Natürlich war das viel zu wenig, Millionen-Aufwand und Nutzen standen in keinem akzeptablen Verhältnis."Nein, so konnte es damals wirklich nicht weitergehen", erinnert er sich an diese Zeit, in der Zanardi nur nach einem spektakulären "Abflug" in den Schlagzeilen stand wie dem High-Speed-Unfall mit 280 km/h in der Eau Rouge/Raudillon-Passage in Spa-Francorchamps.Er verlor dabei zwar nur einen Backenzahn, aber es hätte - beim Sicherheitsstandard zu jener Zeit - auch das Leben sein können.Zanardi galt in der Formel 1 als gescheitert.Bevor Amerika rief, verdingte er sich sogar schon als Pizza-Fahrer in Rom.

In Monaco, wo er mit seiner Frau Daniela und Sohn Niccolo lebt, ist das für ihn alles nur noch eine Episode.Eine, die sich sehr schnell wiederholen kann.Zwar hat sich mit dem geschätzten Jahreseinkommen von 7,5 Millionen Dollar seine finanzielle Situation entscheidend verbessert, aber aus dem in den USA gefeierten Zanardi ist längst wieder ein Hinterherfahrer geworden."Mir war von vornherein klar, daß Williams-Supertec nicht in der Spitze mitfahren kann", gibt er ohne Umschweife zu, doch selbst zu seinem Teamgefährten Ralf Schumacher fehlt ihm noch einiges."Ich muß jetzt auf dem Teppich bleiben.Wenn du versuchst, mit Gewalt etwas zu erzwingen, kommen automatisch die Fehler." Es ist Pech für Zanardi, daß Williams heute weit von dem entfernt ist, was noch Williams-Renault 1996 und 1997 auszeichnete.Damals war es Jacques Villeneuve aus Kanada, der es als jüngster IndyCar-Sieger in der Formel 1 erst zum Vize-Champion und danach sogar zum Weltmeister brachte.

Ab dem Jahr 2000, wenn BMW erneut als Motorenpartner einsteigt, soll es wieder soweit sein.Ob Alessandro Zanardi dann noch ein Thema für Williams ist? Will er seine Chancen dafür verbessern, dann am Sonntag in Monte Carlo.Durchhalten heißt hier aus Erfahrung die Devise für die Nichtfavoriten.Auch 1996 kamen nur drei Autos ins Ziel, und der als 14.gestartete Franzose Olivier Panis holte sich seinen ersten und bisher einzigen Sieg.

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