Sport : Noch Luft nach oben

Die Findungsphase bei Alba dauert noch an

Helen Ruwald

Berlin - Patrick Femerling blickte lachend vom Videowürfel in der Arena am Ostbahnhof. Das Bild war auf der Tribüne eingefangen worden, auf der der Center seit Saisonbeginn Stammgast ist. Doch zum Lachen ist Femerlings Situation bei Alba Berlin derzeit nicht. Auch beim 91:84-Sieg im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga gegen Bonn konnte er nicht eingreifen. Momentan stoppt ihn eine Patellasehnenentzündung, davor war es eine Harnwegsinfektion. Die Saisonvorbereitung, die wegen seines Einsatzes bei den Olympischen Spielen in Peking ohnehin kurz gewesen wäre, fiel völlig aus. Diese Woche soll er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, doch bis er wieder auf Topniveau ist, wird es noch dauern. „Er ist lange raus, aber vor allem in der Europaliga werden wir ihn dringend brauchen“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi.

Das liegt zum einen an der großen Erfahrung des 33-Jährigen, zum anderen daran, dass sein Centerkollege Adam Chubb, der aus Quakenbrück gekommen ist, seine Rolle im Team noch sucht. Obwohl er am Sonntag der einzige echte Berliner Center auf dem Feld war, durfte er nur 21 Minuten spielen, in denen er auf sieben Punkte und fünf Rebounds kam. Er war früh foulbelastet, und Pavicevic vertraute lieber den eigentlich ein Stück weiter weg vom Korb agierenden Ansu Sesay und Aleksandar Nadjfeji. „Chubb hat noch nicht die Balance zwischen Aggressivität und einer gewissen Gelassenheit gefunden“, sagt Baldi. Er müsse lernen, auf dem Weg zum Rebound „nicht mit dem Kopf durch die Wand“ zu gehen.

Nicht nur bei den Centern fehlt die Feinabstimmung. Auch auf der Spielmacherposition suchen Steffen Hamann und Rashad Wright noch ihren Platz in einem Team starker Individualisten. Beide sind Topspieler und teilen sich die Spielzeit. Für Hamann, der das Spiel der deutschen Nationalmannschaft lenkt, ist es ungewohnt, nicht die klare Nummer eins zu sein. In Bamberg stand er zuletzt im Schnitt 28 Minuten auf dem Feld. „Es ist für mich eine große Umstellung, ich habe noch nicht den Rhythmus gefunden“, sagt Hamann. Für ihn selbst gelte genauso wie für das gesamte Team: „Wir haben noch viel Luft nach oben.“ Sportdirektor Henning Harnisch hat aber schon erfreut festgestellt, dass Albas Profis „selbstlos sind. Sie haben alle offensiv ihre Möglichkeiten und spielen trotzdem den Extra-Pass.“ Der künftig auch noch häufiger ankommen soll, wenn alle ihren Platz gefunden haben. Helen Ruwald

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