Sport : Noch mehr Meinungen

Der Streit um die Dopingbekämpfung setzt sich im Bundestag fort

Friedhard Teuffel

Berlin - Dreizehn Experten sollten der Politik die Entscheidung erleichtern, wie der Staat künftig Doping bekämpfen soll. Es sollte die letzte große Diskussion werden, bevor die Bundesregierung oder eine Bundestagsfraktion einen Gesetzentwurf einbringt. Doch auch eine fünfstündigen Anhörung im Sportausschuss des Bundestags hat die Meinungsunterschiede nicht verringert. Uneinigkeit herrscht nicht nur zwischen den beiden Koalitionsfraktionen, auch der Deutsche Olympische Sportbund und die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) haben vollkommen verschiedene Auffassungen. Zwei Wege scheinen nun möglich: Entweder einigt sich die Regierungskoalition aus Union und SPD auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, oder es gibt ein Machtwort, vielleicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.

Die beiden entscheidenden Fragen sind jedenfalls im Bundestag sehr kontrovers diskutiert worden: Soll auch der Besitz von Dopingmitteln unter Strafe gestellt werden? Und: Würde das Strafrecht das Sportrecht nicht behindern? Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, macht sich große Sorgen um die Sportgerichtsbarkeit. Denn im Sportrecht ist die Beweislast genau umgekehrt wie im Strafrecht. Wird dem Athleten eine Dopingsubstanz im Körper nachgewiesen, muss er seine Unschuld beweisen. Der Staat handelt dagegen nach dem Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. „Wenn wir die Sportgerichtsbarkeit gefährden, werden wir die Weltmeister von 2006 erst im Jahr 2009 haben.“ Überhaupt scheint Bach nach wie vor mehr Vertrauen in die Dopingbekämpfung durch den Sport als durch den Staat zu haben: „Jeder aufgedeckte Fall zeigt, dass das System funktioniert. Mit gesetzlichen Regelungen allein wird das nicht besser. Das führt nicht unbedingt weiter.“

Bach war einer von 13 Experten, die zur Anhörung eingeladen worden waren. Je nach Größe konnten die Bundestagsfraktionen eine bestimmte Anzahl von Experten bestimmen. Dabei ging es den Politikern offenbar auch darum, die eigene Meinung durch eine Expertenmeinung zu stützen. Die SPD ist jedenfalls dafür, dass der Dopingbesitz bestraft wird, die Union ist dagegen. Im Sinne der Union sprach Professor Hans Kudlich von der Universität Erlangen-Nürnberg: „Um etwas unter Strafe zu stellen, müssen wir ein Rechtsgut benennen, das wir schützen wollen. Aber es ist verfassungsrechtlich umstritten, ob die Fairness im Sport oder die Vermögensverhältnisse von Veranstaltern dafür ausreichen.“

Dem widersprach Markus Hauptmann, Vorstandsmitglied der Nada: „Wir haben doch ein Rechtsgut: das der Volksgesundheit, denn das Problem des Dopings ist doch die Nachahmung im Jugend- und Nachwuchssport.“ Hauptmann konnte auch Bachs Sorgen zur Unvereinbarkeit von staatlichem Recht und Sportrecht nicht nachvollziehen. „Ich sehe überhaupt keinen Widerspruch.“ Das unterstrich auch der Mainzer Juraprofessor Ulrich Haas: „Wir haben die doppelte Praxis schon, und es war noch nie ein Problem.“ Haas war schon zu mehreren Doping-Anhörungen im Bundestag eingeladen worden. Seine Geduld mit der Politik ist daher erschöpft. Als „unvorbereitet, hohl und peinlich“ hatte er das Verhalten der Abgeordneten bei einer vergangenen Anhörung bezeichnet. Diesmal sprach er die Abgeordneten so an: „Sagen Sie doch öffentlich, dass andere Länder Doping staatlich bekämpfen und dafür Mittel in die Hand nehmen und dass Sie es einfach nicht wollen.“ Nada-Vorstandsmitglied Hauptmann sagte: „Manche wollen die staatliche Dopingbekämpfung ein bisschen und sagen aber: Wir können es nicht.“

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