Sport : Noch mehr Puzzleteile

Schumacher öffnet auch als Buch nicht alle Seiten

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Schumacher öffnet auch als Buch nicht alle Seiten Wenn ein Buch schlicht „Michael Schumacher“ heißt, muss es was Offizielles sein. In der Tat: Die „Inside-Story“ ist von Sabine Kehm verfasst, der langjährigen Pressesprecherin des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters. Die Quelle ist also nicht frei von Tendenzen, dafür kam Kehm dem Menschen Michael Schumacher näher als die meisten anderen Berichterstatter und kann diesen Vorteil auch nutzen. Begleitet werden ihre Schilderungen von vielen ganzseitigen Fotos mit künstlerischem Anspruch.

Das knapp 240-seitige Hochglanzprodukt ist eine aufgemotzte Version des bereits vor einigen Jahren erschienenen „Driving Force“, und genau wie dem Vorgänger und vielen anderen Ansätzen gelingt es auch diesem Buch letztlich nicht, Schumacher gänzlich aus seinem selbstgewählten Schatten ins Tageslicht zu reißen. Es wirft aber immerhin einige interessante Schlaglichter und beleuchtet den Menschen dadurch etwas besser als „Driving Force“. So erörtert der 37-Jährige die Beweggründe für seinen Rücktritt hier in aller Ausführlichkeit. In klaren Worten schildert er, wie die Müdigkeit langsam in ihm aufstieg und er sich mehr und mehr wunderte, wie er all die Kraft und Motivation in den Vorjahren hatte aufbringen können, etwa für gewisse „Trainingsmethoden, die ganz einfach stinklangweilig sind“. Hier spricht eine Person, die sich verändert hat und nun auch die Öffentlichkeit daran teilhaben lässt.

Darüber hinaus gibt Sabine Kehm einen kurzen Einblick in einen Familiennachmittag und Schumachers Frau Corinna eine (wenngleich natürlich nicht ganz objektive) Analyse ihres Ehemannes. Sie beschreibt ihn als „Macher“, als „Familienmensch“ und als „einen, der zudem unglaublich lustig sein“ kann. Schumacher selbst dekliniert ein Rennwochenende aus seiner Sicht durch und gibt Antworten auf viele kleine Fragen.

Mit ihrem Buch bereichert Sabine Kehm die Puzzlestücksammlung Michael Schumacher um ein paar weitere, wertvolle Exemplare. Leider fehlen die weniger schönen Teile in ihrer Darstellung bis auf Schumachers Rammstoß 1997 gegen Jacques Villeneuve fast völlig. Auch seine Jugend und sein Karrierestart werden nur kurz erwähnt. Selbst wenn man die Puzzlestücke mit den anderen bekannten Teilen zusammensetzt, kommt deshalb noch längst kein vollständiges Bild zum Vorschein. Aber man kann langsam erkennen, um wen es sich dabei handelt. chh

— Sabine Kehm,

Michael Schumacher und Michel Comte:

Michael Schumacher. Verlag Süddeutsche Zeitung, 238 Seiten, 24,90 Euro.

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