Sport : Noch nicht ausgelernt

Schalke muss sich mit dem Uefa-Cup anfreunden

Andreas Morbach[Mailand]

Nachher regten sich die Sieger mehr auf als die Verlierer. Alessandro Nesta, hochgewachsener Abwehrspieler des AC Mailand, schubste Schalkes feingliedrigen Brasilianer Rafinha vor sich her. Gennaro Gattuso ging auf Christian Poulsen los. „Er war wie ein kleines Kind, über das man nur lachen kann“, sagte der Däne über diese ganz spezielle Begegnung nach dem 2:3 des FC Schalke 04 in Mailand. „Ich glaube, er hat mir zwei, drei Sachen auf Italienisch gesagt – und das waren keine schönen Wörter.“

Die Schalker hingegen trugen ihre Niederlage in dem hektischen Spiel und das Ausscheiden nach der Vorrunde der Champions League mit Fassung. Manager Rudi Assauer ortete die Niederlage im ersten Gruppenspiel beim PSV Eindhoven als den „Knackpunkt“ für das Vorrundenaus, laut Trainer Ralf Rangnick haben die Schalker „die entscheidenden Punkte ganz klar in Istanbul liegen lassen“.

Was bleibt, ist die Teilnahme am Uefa-Cup. Glänzende Augen bekommt bei diesem Wettbewerb auf Schalke keiner, auch wenn der zur Halbzeit ausgewechselte Fabian Ernst behauptet: „Im Uefa-Cup gibt es auch attraktive Mannschaften.“ Gerald Asamoah war immerhin schnell bereit, sich umzuorientieren: „Wir müssen versuchen, unsere Erfahrung aus der Champions League in den Uefa-Cup mitzunehmen.“ Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass die Schalker in den zwei, drei Szenen, die Spiele wie das in Mailand entscheiden, künftig hell- und nicht mehr nur halb wach sind. Wie zum Beispiel Hamit Altintop, der in der 27. Minute einen Fehler von Paolo Maldini „hervorragend“ (Rangnick) witterte, fünf Sekunden später vor dem Tor der Gastgeber dann aber jämmerlich vergab. „Der muss sitzen, im langen Eck“, klagte sein geknickter Coach, der dieser Szene „spielentscheidende“ Bedeutung zuschrieb.

Wie man es besser macht, zeigte den Schalkern nach der Pause Mailands Wunderknabe Kaká. Und damit sie es richtig lernen gleich zwei Mal hintereinander – in der 52. und in der 60. Minute. „Beide Male aus der fast identischen Position wie Altintop“, sagte Rangnick. „Aber er setzt die Dinger eben ein paar Zentimeter neben dem Pfosten ins Tor.“

Dabei bewies gerade Kaká, dass auch ein Fußballvirtuose wie er noch dazulernen kann. Im ersten Spiel hatte ihn Christian Poulsen mit großer Beharrlichkeit und Härte 90 Minuten lang am Fußballspielen gehindert. Als Kaká am Dienstagabend aus der Kabine geschlendert kam, erklärte der 23-Jährige mit einem Lächeln: „Ich habe meine Lektion aus dem Hinspiel gelernt.“ Das hieß: „Ich war diesmal mehr auf dem Platz unterwegs – um mir Poulsen vom Leib zu halten.“ Des Dänen entledigt, schoss Kaká Schalke in den Uefa-Cup.

Wie gering der Stellenwert dieses Wettbewerbs für die Schalker ist, verdeutlicht die Ankündigung von Ralf Rangnick, in der Bundesliga rasch den Rückstand auf die Champions-League-Plätze aufzuholen. Rangnick will unbedingt „im nächsten Jahr wieder in diesem fantastischen Wettbewerb mitspielen“.

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