Sport : Noch nicht ausgespielt

Obwohl der Verein ihm einen Wechsel nahe legt, bleibt Thorben Marx bei Hertha BSC

Mathias Klappenbach

Berlin - Es hörte sich so an, als ob Thorben Marx noch an diesem Tag seinen Wechsel von Hertha BSC zu einem anderen Verein bekannt geben müsste. „Wir hatten ein Gespräch unter vier Augen. Und da habe ich ihm gesagt, dass er woanders hingehen muss, wenn er spielen will. Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering“, sagte Trainer Falko Götz. Der 1. FC Nürnberg, heute Gegner im letzten Testspiel vor dem Rückrundenstart (16.15 Uhr in Leipzig, live im DSF), war an einer Verpflichtung des Mittelfeldspielers interessiert, in den vergangenen Tagen war bereits verhandelt worden. „Das Angebot war finanziell okay. Aber ich bleibe in Berlin“, gab dann überraschend Thorben Marx bekannt, nachdem er nach dem Training aus der Kabine gekommen war. „Ich weiß, dass es jetzt noch schwerer hier für mich wird. Aber bei einem neuen Verein muss die sportliche Perspektive stimmen.“

Die lautet in Nürnberg aktuell Kampf um den Klassenerhalt, und im Sommer läuft der Vertrag des 24-Jährigen bei Hertha ohnehin aus. „Ich habe mehrere Angebote. Aber erst will ich in Berlin noch einmal richtig Gas geben“, sagt Marx und sieht dabei so aus, als ob vor dieser Entscheidung die ganze Nacht wachgelegen hätte. „Thorben wird immer vorgeworfen, er sei phlegmatisch und suche die leichteren Wege. Nun nimmt er den Kampf an“, sagt Marx’ Berater Jörg Neubauer. „Die Rückrunde muss kein verlorenes halbes Jahr für ihn sein. Er steht jetzt vor einem wichtigen Schritt.“

Dieser Schritt bedeutet für Marx, sich ein halbes Jahr lang jeden Tag im Training aufzudrängen, obwohl der Verein ab Sommer sowieso keinen Wert mehr auf seine Dienste legt. Die Chancen, dass sich Marx trotzdem wieder in die Mannschaft kämpft und sich auf der rechten Mittelfeldseite für einen neuen Arbeitgeber empfehlen kann, sind allerdings ziemlich schlecht. „Yildiray Bastürk, Kevin-Prince Boateng, Oliver Schröder, Ellery Cairo und Christian Müller: Sie stehen alle vor Thorben Marx“, sagt Götz. In der vergangenen Saison hatte er Marx in der Bundesliga noch 26 Mal eingesetzt. „Thorben hat ein ganz ordentliches Jahr gespielt“, sagt sein Trainer. In seiner Zeit als Interimscoach im Frühjahr 2002 war es Götz, der den U-21-Nationalspieler Marx zum Stammspieler bei Hertha machte. „Es ist ja bekannt, dass wir beide eine besondere Beziehung zueinander haben. Aber wir haben jetzt im Verein eine sportliche Bewertung vorgenommen“, sagt Götz. Der Förderer Götz hatte auch in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass die Entwicklung von Marx nicht in dem gewünschten Maß voranschritt. Das habe auch an der mangelhaften Einstellung von Marx gelegen.

Viel zu selten machte Marx auf dem Platz mit dynamischen und entschlossenen Aktionen etwas aus seinem Talent, das laut Manager Dieter Hoeneß auch für die Nationalmannschaft reicht. In der Hinrunde stand Marx nur noch dreimal in der Startformation. Schon beim Saisonauftakt hatte er einen Platz auf der Tribüne zugewiesen bekommen, die Geduld mit den Leistungsschwankungen und dem Phlegma war schon da zu Ende.

Dass Marx seinen Vertrag jetzt wohl auf der Tribüne aussitzen muss und damit aus dem Blickfeld interessierter Klubs verschwinden könnte, hält sein Berater für kein großes Risiko bei der Zukunftsplanung. „Thorben steht vor einem Wendepunkt seiner Karriere. Entscheidend ist, dass er verstanden hat, worauf es ankommt“, sagt Neubauer. „Thorben ist ja kein Unbekannter. Und Spieler kann man nicht nur im Spiel beobachten. Das geht auch im Training.“

Thorben Marx ist in Berlin geboren. Außer für Hertha BSC hat er bisher nur für Hertha 03 Zehlendorf und den FC Stern Marienfelde gespielt. Jetzt will er im Sommer neu anfangen. Und vorher in Berlin etwas vernünftig zu Ende bringen. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist.

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