Sport : Noch stimmt der Kurs

Weil der Euro günstig steht, machen sie am Nürburgring keinen Verlust – den Fans wird die Formel 1 trotzdem zu teuer

Hartmut Moheit

Nürburgring. Mit bangem Blick hat Walter Kafitz zuletzt immer wieder auf den Kurs des Euros geschaut. Dem Geschäftsführer der Nürburgring GmbH war klar: Je stärker die europäische Währung gegenüber dem Dollar ist, desto größer ist die Chance, mit dem Grand Prix von Europa nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

Schließlich zahlt der Fan für seine Eintrittskarte in Euro – Pech für Bernie Ecclestone, denn der Boss der Formel 1 kassiert laut dem bis 2004 geltenden Vertrag seinen Anteil in Dollar. Kafitz hat dieses Jahr Glück gehabt, wenn es auch vor ein paar Wochen noch besser um den Euro im Vergleich zum Dollar aussah: Die zehn Prozent mehr an Abgaben pro Jahr, die sich Milliardär Ecclestone in jenem Kontrakt gesichert hat, können beim Großen Preis von Europa an diesem Wochenende allein durch den Umrechnungskurs von Euro und Dollar ausgeglichen werden.

Trotzdem, der Trend für die Zukunft verheißt für den Eifelkurs nicht nur Gutes. Die Angst geht um rund um den Nürburgring. Die Angst davor, dass Promoter Ecclestone den Vertrag über 2004 hinaus nicht für weitere fünf Jahre verlängern könnte. „Das Ende des Motorsports wäre auch das Ende der Region“, sagt Kafitz. Hätte Michael Schumacher nicht seinen Vertrag bei Ferrari bis 2006 verlängert, und gäbe es mit seinem Bruder Ralf (BMW-Williams), Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld (beide Sauber) nicht drei weitere Deutsche im Elitefeld des Motorsports, dann hätte es hoffnungslos ausgesehen für Kafitz.

Wirtschaftlich auf die Sprünge hilft ihm vor allem Michael Schumacher. Der fünfmalige Weltmeister, der den Formel-1-Boom in Deutschland erst ausgelöst hat. Nachdem Michael Schumacher in Montreal gesiegt hatte, zog am Nürburgring der Kartenverkauf an. „Aber ausverkaufte Rennstrecken hat es in diesem Jahr noch nirgendwo gegeben, das wird auch bei uns nicht der Fall sein“, sagt Kafitz. Freie Hotelbetten, kaum Staus auf den Zufahrtsstraßen und Lücken auf den Rängen sind untrügliche Zeichen dafür.

In den Verhandlungen mit Bernie Ecclestone muss Walter Kafitz an diesem Wochenende einiges bieten, um den kleinen Briten mit der Nickelbrille zu beeindrucken. Ein Thema ist dabei das Tabakwerbeverbot ab 2005. Belgien und Österreich hat Ecclestone deswegen schon aus dem Rennkalender gestrichen, weil man sich dort der EU-Richtlinie ergeben hat. Kafitz verkündet: „Wir sind der Meinung, dass es die EU nichts angeht, wer bei Formel-1-Rennen in Deutschland als Sponsor auftritt.“ Die Nürburgring GmbH soll bereits Klage gegen die EU-Richtlinie eingereicht haben. Die Preisinflation , die vor allem die Fans trifft, kann er damit nicht bremsen. „Die ständigen Preiserhöhungen macht auf Dauer auch der treueste Schumi-Fan nicht mit“, sagt Jürgen Dilk, Gründer des ersten offiziellen Schumacher-Fanklubs. Zehn Prozent teurer waren die Tickets diesmal als im Vorjahr. Für 200 Euro ist der billigste Tribünenplatz zu haben, für 450 Euro das Wochenend-Goldticket. Die um ein Vielfaches teureren VIP-Tickets interessieren die Fans ohnehin nicht.

Auch Sponsoren und Betriebe sind mit ihren Einladungen längst nicht mehr so großzügig, wie in den goldenen Jahren zwischen 1998 und 2001. Da meldete der Nürburgring oft schon im Januar ein ausverkauftes Haus. Die Tageskassen waren am Grand-Prix-Wochenende geschlossen, und nur noch die Schwarzhändler, die diesmal verzweifelt um Käufer buhlen, machten ein Geschäft.

Der Ring kleidete sich damals fast geschlossen in Ferrari-Rot. Mindestens 30 000 Fans haben 2003 demnach kein Problem damit, den Kampf der Schumacher-Brüder nicht mehr live zu erleben. Was wird den etwa 100 000 Zuschauern, die noch kommen werden, diesmal für ihr teures Geld geboten? Ein langweiliges Einzelzeitfahren an zwei Tagen um die Poleposition haben sie schon gesehen. Und möglicherweise werden sie – wie zuletzt beim Rennen in Kanada – ein Schumacher-Duell auf den ersten zwei Plätzen verfolgen. Und als weiterer Höhepunkt wird dann noch der von RTL gekürte „Superstar“ Alex am Rennsonntag die deutsche Nationalhymne singen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben