Sport : Noch viel aufzuholen

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Robert Ide über die Grenzen der Nationalen Anti-Doping-Agentur

Für manchen ist Doping immer noch ein Randthema. Bei der Übertragung der Tour de France sagte ARD-Reporter Jürgen Emig am Montag: „Wir berichten in dieser Sendung über den Kampf gegen Doping, aber erst einmal haben wir noch was Schönes für Sie.“ Der Zusammenhang von Leistungssport und Manipulation wird oft kleingeredet – von Sportlern, Politikern und Journalisten. Dabei haben gerade die Doping-Skandale im Radsport sowie die Geschichte um Jan Ullrichs Amphetamin-Pillen gezeigt, wie wichtig das Thema geworden ist.

Die Gründung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn scheint da gut ins Bild zu passen. Die Politik hat das Problem offenbar erkannt und die Bekämpfung des Betrugs den Sportverbänden entrissen. Nun endlich führt eine unabhängige Agentur die Dopingkontrollen in Trainingslagern und bei Wettkämpfen durch, nun endlich gibt es eine zentrale Anlaufstelle für die Anti-Doping-Forschung. Und noch etwas ist gut: Der neue Chef der Nada, Peter Busse, hat schon als Direktor der Gauck-Behörde den sportlichen Betrug öffentlich angeprangert.

Das alles reicht aber nicht. Deutschland muss noch einige Hausaufgaben erledigen, wenn es als Musterschüler im Kampf gegen Doping gelten will. Die Wirtschaft, die von sportlichen Erfolgen profitiert und Medaillengewinner als Werbeträger braucht, engagiert sich kaum für die Nada. Lediglich Telekom und Deutsche Bank haben bislang einen Beitrag zum Stiftungskapital geleistet.

Auch die deutsche Politik muss im internationalen Vergleich aufholen. Noch immer steht der sportliche Betrug hierzulande nicht unter Strafe. Athleten, die Dopingmittel konsumieren, können nicht von den Staatsanwälten verfolgt werden. Gegen all das hilft nur ein Anti-Doping-Gesetz. Damit könnte Deutschland den Beweis erbringen, dass der Kampf gegen Doping kein Randthema mehr ist.

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