Sport : Noch zwei Tage

Bis zum Dienstag muss Torhüter Tim Wiese entscheiden, ob er beim 1. FC Kaiserslautern bleibt – zur Not steht Thomas Ernst bereit, der nicht mehr der ewige Stellvertreter sein will

Frank Hellmann[Bremen]

All die Ovationen, die Sympathiebekundungen, die Schulterklopfer der eigenen Anhänger wie Mitspieler hat Thomas Ernst genossen. Still und leise, wie das nun einmal die Art eines Torwarts ist, der in der Liga als Prototyp des Ersatztorwarts gilt. „Diese Rolle habe ich mir nie selbst verpasst“, sagte Ernst nach dem 1:1 des 1. FC Kaiserslautern bei Werder Bremen, „jetzt habe ich gezeigt, dass ich auch anders kann.“ Mehr sein als der Stellvertreter des am Kreuzband verletzten Tim Wiese. Wie schon beim Kurzeinsatz gegen den SC Freiburg und im Heimspiel gegen Mainz 05 hielt Ernst in der fast 90-minütigen Abwehrschlacht gegen den Deutschen Meister tadellos. Seinen Paraden, seinem Eingreifen auf der Linie und in der Luft hatten es die Pfälzer zu verdanken, „dass eine hervorragende kämpferische Leistung mit einem Punkt belohnt wurde“, sagte Trainer Kurt Jara. „Er war unser Rückhalt und hat es verdient, weiter das Vertrauen zu erhalten“, fügte Abwehrmann Ingo Hertzsch hinzu.

Thomas Ernst war bei all seinen Bundesliga-Stationen in Frankfurt, Bochum, Stuttgart und bis vor kurzem eben Kaiserslautern nie über den Part des braven Stellvertreters hinausgekommen. „Trainingsspiele waren mein Wettkampfersatz“, sagte er. Und weil Ernst sich als 36-Jähriger fit und fidel fühlt, steht aus seiner Sicht weiteren Einsätzen nichts im Wege. „Ich will in der Rückrunde weiter spielen, ganz klar.“

Dummerweise darf Ernst das nicht allein entscheiden. Entscheidend ist, wie Tim Wiese auf das Ultimatum reagiert, das ihm der Klub gesetzt hat: Bis Dienstag muss sich der Torhüter entscheiden, ob er ein Angebot zur Verlängerung des am 30. Juni 2005 auslaufenden Vertrages annimmt. Jara und Klubchef René Jäggi lassen keinen Zweifel daran, wie ernst sie diese Aufforderung meinen. „Es ist genug taktiert“, sagt Jäggi, „wir sind nicht auf einem türkischen Basar.“ Und mit einer Spitze an Wieses Berater Roger Wittmann fügt er an: „Den Vertrag kann der Tim auch alleine lesen.“

Jäggi hat in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal zum Ausdruck gebracht, wo er den Ursprung der finanziellen Probleme in Kaiserslautern sieht: in den überteuerten Verträgen, die der Verein mit Spielern geschlossen hat, die von Wittmann beraten werden. Jäggi treibt nun die Konsolidierung voran – dazu zählt, die Gehaltskosten für den Profi-Kader von derzeit 17 auf 14 Millionen Euro zu drücken. Und dazu passt kein millionenschwerer Vertrag mit Wiese, obgleich Jäggi betont, „dass er sehr gut von uns bezahlt würde“.

Die Zeichen aber stehen auf Trennung. Wenn sich Wiese (und Wittmann) gegen das vorliegende Angebot entscheiden, „dann wissen wir, wie wir zu reagieren haben“, sagt Trainer Jara. Dann nämlich würde schon zur Winterpause ein Torhüter mit Perspektive gesucht. Der erst 22-jährige Karlsruher Markus Miller oder der in Wien auf die Tribüne verbannte Marc Ziegler werden als Kandidaten gehandelt. „Aber auch ein neuer Mann wird mit Thomas Ernst um die Nummer eins kämpfen müssen“, sagt Jara. Ein neuer Mann wird auf einen Torwart treffen, der seinen Anspruch noch nie deutlicher zu formulieren wusste als auf der Zielgeraden seiner Karriere. „Es gibt keinen Grund, jetzt freiwillig ins zweite Glied zu rücken“, sagt Ernst. „Ich werde mein Tor und meinen Platz jetzt mit Haut und Haaren verteidigen.“

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