Nordderby : Ein Elfmeter kommt selten allein

Gegen harmlose Hamburger trifft Aaron Hunt im zweiten Anlauf und siegt am Ende mit Bremen 2:0.

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Himmel, wird sich Rafael van der Vaart gedacht haben, ob das mit der Rückkehr zum Hamburger SV wirklich so eine gute Idee war? Im ersten Spiel nach der pompösen Rückholaktion lief der HSV noch einmal ohne den neuen alten Star aus den Niederlanden auf – und wurde vom Lieblingsfeind Werder Breme beim 0:2 (0:0) böse vorgeführt. Werders Aaron Hunt verschoss in der ersten Halbzeit einen Elfmeter und verwandelten in der zweiten einen weiteren zum FÜhrungstor. Die gehässigen unter den 42 100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion sangen schon: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei!“ So weit ist es natürlich noch lange nicht, aber nach zwei Niederlagen in zwei Bundesligaspielen und dem frühen Aus im DFB-Pokal spricht viel dafür, dass die 50. Bundesligasaison die wohl schwerste überhaupt für das noch nie abgestiegene Gründungsmitglied wird. Die Probleme dieser Mannschaft sind zahlreich und das größte ist die schwer zu steigernde Harmlosigkeit, wenn denn erst mal die Mittellinie überschritten ist. Dieser HSV erschreckt niemanden. „Wenn wir vielleicht zehn Minuten länger das 0:0 gehalten hätten...“, sinnierte der Hamburger Trainer Thorsten Fink später. Ja, was wäre dann gewesen? Wären die Bremer nervös geworden? Schwer vorstellbar. Die Hoheit des Handelns lag über 90 Minuten fast ausschließlich auf Bremer Seite. Nils Petersen hatte schon nach ein paar Minuten das Führungstor auf dem Kopf. Nach schönem Flankenlauf von Marko Arnautovic hob der aus München rekrutierte Stürmer den Ball mit der Stirn über René Adler. Der Hamburger Torhüter aber zeigte sich wie schon beim 0:1 gegen den 1. FC Nürnberg in starker Form und lenkte den Ball gegen die Unterkante der Latte. Danach scheiterte Sebastian Prödl an Adlers Fuß, dann war wieder Arnautovic dran. Der Österreicher, von seinen exotischen Frisuren der jüngeren Vergangenheit erfolgreich kuriert, flankte abermals von der rechten Seite genau auf den Fuß des Hamburger Abwehrstrategen Heiko Westermann, dem beinahe ein spektakuläres Eigentor gelungen wäre. Ein Hamburger Offensivspiel fand so gut wie gar nicht statt. Die gerade erst verpflichteten Mittelfeldleute Petr Jiracek und Milan Badelj taten sich schwer. Badelj musste mit muskulären Problemen zur Halbzeit raus, Jiracek erlitt früh eine Fußprellung, hielt durch – und hätte kurz vor der Pause beinahe den Rückstand verschuldet, als ihm der frühere Hamburger Eljero Elia davon lief. Dieser schlug im Strafraum einen Haken um Jeffrey Bruma, der das Bein nicht mehr wegziehen konnte. Schiedsrichter Knut Kircher stand gut und pfiff sofort. Den fälligen Elfmeter schoss Aaron Hunt ein bisschen zu halbherzig und lieblos. René Adler, der mit Abstand beste Hamburger, flog in die linke Ecke und drehte den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten. Es gibt Fußballspieler, bei denen so ein Missgeschick schwere psychologische Folgen zeitigt. Hunt verspürte nur zusätzliche Herausforderung. Als zu Beginn der zweiten Halbzeit nach Dennis Aogos plumpem Foul an Petersen der zweite Elfmeter fällig war, griff er sich erneut den Ball und setzte sich nach gutem Zureden fast aller Kollegen gegen die Begehrlichkeiten von Arnautovic durch. „Das haben die Spieler unter sich ausgemacht“, sagte Trainer Thomas Schaaf. „Aber es spricht für Aaron, dass er sich noch mal getraut hat. Und für die Mannschaft, dass sie ihm so gut zugeredet hat.“ Hunt trat also ein zweites Mal an, er wählte dieselbe Ecke, schoss aber einen Tick höher, schärfer und platzierter, so dass der abermals richtig spekulierende Adler zu spät kam. 1:0 für Werder – das entsprach dem Spielverlauf, aber auch der Hamburger Unbedarftheit bei ihren gar nicht so schlechten Möglichkeiten zum Kontern. Eine Stunde lang wartete der HSV auf seine erste Torchance. Der Lette Artjoms Rudnevs schoss allein vor Werders Torhüter Sebastian Mielitz neben das Tor. Auf ähnliche Weise vergab Ivo Ilicevic die zweite Chance, und damit hatte sich die Hamburger Zwischenoffensive auch schon wieder erledigt, zumal sich hinten die Unaufmerksamkeiten häuften. Eine davon nutzte Nils Petersen nach Hunts Zuspiel zum 2:0, und im nächsten Angriff hätte Arnautovic beinahe noch ein drittes Tor nachgelegt. Dass der HSV danach noch ein paar Mal aufs Bremer Tor schoss, war kaum mehr als später, zu später Aktionismus.

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