Sport : Norddeutsche Klassenlotterie

Karsten Doneck

Aus und vorbei. Thomas Doll ist entlassen. Zu früh? Zu spät? Kurz vor Weihnachten hatte der Hamburger SV seinem Trainer noch das Vertrauen ausgesprochen, nur zwei Spiele später, nach zwei Unentschieden, ist das Vertrauen schon wieder aufgebraucht. Es war ein bisschen wie bei der Lotterie, was der HSV da mit seinem Trainer veranstaltet hat. Siege in Bielefeld und gegen Cottbus, durchaus möglich nach dem Spielverlauf, hätten mit Sicherheit jede Diskussion um Doll erstickt. Nun aber fühlen sich die Leute bestätigt, die sagen, die Trennung von Doll hätte schon nach der Hinrunde erfolgen müssen. Ein neuer Trainer – das heißt: neue Ideen, neue Taktik, alles einstudierbar in einem Trainingslager, vielleicht sogar mit neuen Spielern, ausgesucht nach den Vorstellungen des neuen Trainers. Diese Chance hat der HSV vertan. Pech gehabt. Das kann vorkommen – bei einer Lotterie.

Es war längst höchst verdächtig, wie sehr sich die HSV-Profis für ihren Trainer Doll stark gemacht hatten – sicherlich nicht auf dem Spielfeld, aber außerhalb. Mit Worten. Hatten sie sich mit Doll eingerichtet: alles bequem, alles gemütlich? Dann käme Felix Magath als neuer Trainer genau richtig. Der hatte einst nicht umsonst den Beinamen „Quälix“ aufgedrückt bekommen. Dass Magath beim FC Bayern zuletzt auf etwas weicherer Welle surfte und dort erst am Mittwoch entlassen wurde, weckt Bedenken. Sein Ruf könnte angeknackst sein. Aber einen muss der HSV ja holen. Warum also nicht Magath? Es kann gut mit ihm gehen, muss aber nicht. Die Lotterie in Hamburg geht weiter. Der Verein will es so.

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