Nordische Kombination : Das Wetter spielt nicht mit

Ein fragwürdiger Sprungwettbewerb hat Deutschlands Nordische Kombinierer im olympischen Einzel-Wettkampf um eine Medaillenchance gebracht. Unbeeindruckt von den Bedingungen holte der US-Amerikaner Bill Demong Gold.

Vancouver 2010 - Nordische Kombination
Vomn Winde verweht. Björn Kircheisen haderte genau wie seine deutschen Kollegen mit den widrigen Bedingungen beim Springen. -Foto: dpa

Als bester des DSV-Quartetts belegte Björn Kircheisen am Donnerstag in Whistler beim Sieg des US-Amerikaners Bill Demong nach einem Sprung von der Großschanze und dem anschließenden 10 Kilometer-Langlauf den 20. Platz. „Er hat nichts drauf gehabt heute. Das war kein fairer Wettkampf heute“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch, dessen Kombinierer bei Olympia erstmals seit 1998 ohne Einzelmedaille blieben. Hinter Demong, der das erste nordische Ski-Gold bei Olympia für die USA holte, wurde dessen Landsmann Johnny Spillane Zweiter vor Bernhard Gruber aus
Österreich.

In einer Windlotterie auf der Schanze hatten Kircheisen, Georg Hettich, Tino Edelmann und Eric Frenzel alle Chancen eingebüßt. Hettich wurde als zweitbester DSV-Kombinierer 24, Edelmann kam auf Rang 29 und Frenzel belegte sogar nur den 40. Rang. „Man hätte nicht springen dürfen! Das war ein unfairer Wettbewerb, der nichts mit Olympia zu tun hatte“, schimpfte Weinbuch nach dem Springen, das bei drehenden Winden und Schneeregen zunächst abgebrochen und dann mehrmals unterbrochen werden musste. Die Jury wählte einen Windkorridor, der alles erlaubte, um den ersten Teil des Wettkampfs durchzuziehen. Nach 31 von 46 Springern war zunächst der erste Anlauf abgebrochen und dann komplett neu gestartet worden.

"Unfairer Wettbewerb, der nichts mit Olympia zu tun hatte“

Selbst FIS-Renndirektor Ulrich Wehling, in den 80er Jahren dreimal Kombinations-Olympiasieger, räumte ein, dass auf der Schanze nicht alles regulär abgelaufen war: „Dieses Springen war für uns kein Ruhmesblatt, aber die Situation war auch nicht so, dass man nicht hätte springen können. Wir waren in dieser Saison von der neuen Windregel verwöhnt. Dass die hier nicht angewandt werden konnte, traf uns mit voller Härte.“

Kircheisens Rückstand von 1:13 Minuten war in der Loipe nicht mehr wettzumachen. Der als Zwölfter gestartete Johanngeorgenstädter kämpfte sich zunächst Platz um Platz nach vorne, doch an der Spitze machte das US-Duo mit Spillane und Demong mächtig Druck. Schon nach 4,5 Kilometern hatten beide den nach dem Springen führenden Österreicher Gruber überholt. Dann konnte Kircheisen das Tempo seiner Gruppe um den Amerikaner Todd Lodwick nicht mehr mitgehen und fiel aussichtslos zurück.

„Das sind alles keine fairen Bedingungen. Bei Olympia sollte es fair zugehen“, hatte Kircheisen schon nach dem ersten Teil des Wettkampfes gefordert. Trotz seines passablen 123,5-m-Sprungs war er überhaupt nicht zufrieden. „Wenn man es realistisch sieht, ist der Zug abgefahren“, meinte er - und sollte Recht behalten. Turin-Olympiasieger Hettich kam bei seinem ersten Einsatz in Whistler auf 121,5 Meter. „Mehr war nicht drin“, sagte Hettich, der nach dem Springen schon 1:23 Minuten hinter dem Führenden lag. Noch weiter zurück waren Edelmann als 35. und Frenzel als 41. (dpa)

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