Nordische Kombination : Deutsche Kombinierer chancenlos

Der Franzose Jason Lamy Chappuis holt sich nach einem furiosen Finale in der Loipe den Olympiasieg im Einzel-Wettbewerb der Nordischen Kombination. Die deutschen Starter spielen bei der Medaillenvergabe keine Rolle.

Vancouver 2010 - Nordische Kombination
Knapp war's. Jason Lamy Chappuis (l.) überspurtet Johnny Spillane kurz vor dem Ziel und wird dafür mit Gold belohnt. -Peter Kneffel (dpa)

Als sich Jason Lamy Chappuis in einem dramatischen Finish zum Olympiasieger krönte, quälten sich die deutschen Nordischen Kombinierer abgeschlagen und demoralisiert dem Ziel in Whistler entgegen. Mit ihrem Generalangriff in der Loipe scheiterten Eric Frenzel, Tino Edelmann und Björn Kircheisen am Sonntag und sorgten für erste Enttäuschung im Lager der deutschen Winter-Zweikämpfer. Frenzel belegte als bester des deutschen Quartetts den zehnten Rang, Edelmann wurde 18., Kircheisen kam völlig erschöpft als 22. ins Ziel.

In einem faszinierenden Schlussspurt entriss Weltcup-Spitzenreiter Lamy Chappuis aus Frankreich dem US-Amerikaner Johnny Spillane auf den letzten Metern noch das sicher geglaubte Gold. Bronze ging an das italienische Talent Alessandro Pittin, Junioren-Weltmeister von 2009.

„Ich habe mich nicht gut gefühlt. Es ging echt schwer“, sagte Kircheisen, der am Ende des Rennens völlig eingebrochen war. Ähnlich erging es Edelmann. „Ich bin einfach geplatzt. Da kam der Mann mit dem Hammer.“ In einer furiosen Aufholjagd hatten die deutschen Kombinierer versucht, den großen Rückstand vom Start wettzumachen, doch die Hypothek des mäßigen Sprung-Ergebnisses wog zu schwer.  „Wir mussten volles Risiko gehen, aber durch den schweren Schnee konnten wir das nicht durchziehen“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Die mit mehr als einer Minute Rückstand auf den Sprung-Besten Janne Ryynaenen aus Finnland ins 10-Kilometer-Rennen gegangenen Deutschen waren zur Hälfte der Distanz bereits bis auf elf Sekunden an die Spitze herangelaufen und hatten die Führungsgruppe in Sichtweite. Doch am Ende reichte die Kraft nicht, um aufzuschließen.

Der erste olympische Wettkampf hatte schon alles andere als wunschgemäß begonnen. Edelmann und Frenzel belegten nach dem Springen den 16. Platz. Kircheisen war 19., Johannes Rydzek aus Oberstdorf lag als 30. noch weiter zurück und konnte sich am Ende nur noch um zwei Plätze verbessern. „Das Springen war eine Lotterie und brutal schwierig“, sagte Weinbuch nach dem von mehreren Wind-Unterbrechungen beeinträchtigten Springen von der Normalschanze. Wie einige andere Favoriten hatte auch Kircheisen Pech, der erst nach einer Pause an den Ablauf durfte und mit seinen 98 Metern nicht zufrieden war. „Wenn man realistisch ist, besteht nur noch eine geringe Möglichkeit, eine Medaille zu machen. Das war wieder ein Windspiel heute, und da braucht man auch Glück“, meinte der 26-Jährige.

Der als bester deutscher Springer geltende Frenzel fand ebenfalls keine optimalen Bedingungen vor und landete auch bei 98 Metern. Tino Edelmann kam einen halben Meter weiter. Olympia-Debütant Rydzek musste sich mit 95,5 Metern zufriedengeben, war aber dennoch nicht unglücklich: „Ich habe versucht, mich nicht unter Druck zu setzen. Aber bei der Kulisse war schon Herzklopfen dabei.“ Den weitesten Sprung stand Ryynaenen mit 105 Metern, doch konnte er seine Position auch wegen eines frühen Sturzes nicht halten. Titelverteidiger Felix Gottwald aus Österreich kam auf der Schanze überhaupt nicht zurecht und konnte nach einem Sprung auf 91,5 Meter nicht mehr in den Medaillenkampf eingreifen. (dpa)

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