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Nordische Kombination : Eric Frenzel ist neuer Weltmeister

Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Val di Fiemme siegt der Oberwiesenthaler nach einem Sprung von der Großschanze und dem 10-Kilometer-Langlauf. Dabei war er vor ein paar Tagen noch so enttäuscht gewesen.

Lars Becker
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Keiner hatte Eric Frenzel folgen können. Ganz alleine lief er dem Ziel entgegen und hatte so genug Zeit, sich noch die deutsche Flagge zu schnappen. Doch man drückte ihm nur ein Mini-Fähnchen in die Hand, das nicht wirklich zu seinem großen Erfolg passen wollte. Der Nordische Kombinierer war unter dem grauen Himmel von Tesero unterwegs zur Goldmedaille. „Es war einfach nur herrlich. Ich bin so überwältigt, dass es jetzt doch noch funktioniert hat“, sagte Frenzel, nachdem er sich den WM–Titel gesichert und dem deutschen Team nach einem bisher eher suboptimalen Verlauf doch noch zu einem Erfolg verholfen hatte. „Ich bin richtig begeistert“, sagte Bundestrainer Herrmann Weinbuch. „Weltmeister wird man nicht so oft. Ich habe Tränen in den Augen.“

Immerhin musste Frenzel, der zuvor vier Weltcup-Siege in Serie errungen hatte und den Gesamtweltcup anführt, im Fleimstal zwei bittere Enttäuschungen verdauen. Im ersten Einzelrennen war er als Titelverteidiger angetreten und nur auf Platz vier gelandet. Winzige zwei Zehntelsekunden hinter seinem mit Bronze belohnten Teamkollegen Björn Kircheisen, und nicht einmal eine Sekunde hinter dem Franzosen Jason Lamy Chappuis, der Gold holte. Im Teamwettbewerb hatte Frenzel dann beim Springen Pech mit dem Wind – und landete mit den Kollegen nur auf Platz sechs. Erstmals seit 2001 gab es für Deutschland in diesem Wettbewerb keine WM-Medaille.

„Der Eric steckt solche Enttäuschungen weg“, hatte Bundestrainer Hermann Weinbuch danach gesagt. Und Björn Kircheisen war sich sicher, dass der „Eric eine Medaille von der Großschanze holt“. Die beiden scheinen den Siegeswillen Frenzels sehr gut zu kennen. Denn auf der Großschanze in Predazzo zeigte der 24 Jahre junge Mann aus Oberwiesenthal am Donnerstag seinen wohl besten Sprung des gesamten Winters. Mit der Bestweite von 138,5 Meter gewann er das Springen souverän. Auf seine ernsthaften Konkurrenten – Lamy Chappuis und den Norweger Magnus Moan – konnte er damit mehr als eine Minute Vorsprung mit in den Langlauf nehmen.

So lief Frenzel von der Spitze aus dem Gold entgegen. Doch schon nach einem Viertel der Strecke hatte Moan bereits 18 Sekunden auf ihn aufgeholt. Wenig später schloss sich eine große Gruppe zusammen, die Jagd auf den Mann mit der Nummer eins machte. „Der Eric ist schlau – und er kann sich sein Rennen gut einteilen und sich wie kein Zweiter verausgaben“, sagte Weinbuch. Tatsächlich hatte Frenzel bei Halbzeit noch 48 Sekunden Vorsprung auf die Jäger, die sich danach nur noch um Platz zwei stritten. Frenzel lief in einer eigenen Welt und holte souverän das zweite WM-Gold seiner Karriere.

Schon bei der letzten Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Oslo hatte Frenzel mit seinem Titel und insgesamt vier Medaillen die deutsche Bilanz fast im Alleingang gerettet. Satt gemacht hat ihn das nicht, das hat spätestens dieser Goldlauf bewiesen. Das hängt auch etwas mit seinem Lebensmotto zusammen: „Wenn du denkst, dass du etwas bist, hast du aufgehört etwas zu werden.“

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