Nordische Ski-WM : In aller Bescheidenheit

Bei der am Mittwoch (23. Februar) beginnenden Nordischen Ski-WM werden den Deutschen disziplinübergreifend nur Außenseiterchancen eingeräumt, ein Anknüpfen an vergangene Erfolge scheint in weite Ferne gerückt.

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Vor dem Sprung. Skispringer Severin Freund ist die fast einzige deutsche Medaillenhoffnung bei der WM.
Vor dem Sprung. Skispringer Severin Freund ist die fast einzige deutsche Medaillenhoffnung bei der WM.Foto: REUTERS

Das erste Ziel hat die deutsche Mannschaft schon vor Beginn der Weltmeisterschaften erreicht. „Wir sind zufrieden, dass wir bis zum Start tatsächlich fast alle Sportlerinnen und Sportler rechtzeitig gesund bekommen haben“, sagt Jochen Behle. Und will das nicht etwa als Untertreibung verstanden wissen. Der Bundestrainer der Langläufer hat zuletzt so viele verletzte und kranke Athleten betreut, dass die Phase vor der WM „mit einer kontrollierten und zielgerichteten Vorbereitung nicht sehr viel zu tun hatte“, wie er sagt. Wenn man Behle so zuhört, könnte man meinen, es geht für die Deutschen bei der Nordischen Ski-WM in Oslo mehr um einen Formcheck als um Medaillen.

Tatsächlich ist aus den hohen Ansprüchen der Vergangenheit zunehmend Bescheidenheit geworden – und zwar in allen nordischen Abteilungen des deutschen Lagers. Kombinierer, Langläufer und Skispringer: Sie alle scheinen derzeit ein bisschen auf der Suche nach sich selbst und den Erfolgen der Vergangenheit zu sein. Von den 31 Athleten, die der Deutsche Skiverband (DSV) ab Mittwoch am Osloer Holmenkollen ins Rennen schickt, bewirbt sich jedenfalls so recht keiner um einen ersten Platz. Selbst DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller zählt sein schon vor zwei Jahren in Liberec titellos gebliebenes Team „nicht zu den ersten Anwärtern auf eine Einzelmedaille“.

Etwas skurril kommt es daher, dass sich der aussichtsreichste Kandidat auf eine Einzelmedaille angesichts der Schwierigkeiten in den anderen Disziplinen wohl unter den vor einer Weile noch so belächelten deutschen Skispringern tummelt. Severin Freund bezeichnet sich nach seinen beiden Weltcup-Siegen zumindest als „gefährlichen Außenseiter“ – und ist vielen seiner Kollegen damit einen Schritt voraus. Denn die meisten Deutschen können nicht recht einschätzen, wie es nach dem holprigen Saisonverlauf um sie und ihre Aussichten bestellt ist und üben sich deshalb eher in vorsichtigen Prognosen. Nur eine macht bei dem deutschen Understatement-Wettbewerb nicht mit. Langläuferin Nicole Fessel, die nach einem herausragenden Saisonstart von einer schweren Erkältung zurückgeworfen wurde, sagt: „Ich fahre nicht zur WM, um dort einfach nur mitzulaufen.“

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