Nordische Ski-WM : Nein, nein, jaaa

Die deutsche Frauenstaffel gewinnt überraschend WM-Silber im Langlauf – dank einer Biathletin.

Nystad Foto: dpa
Claudia Nystad bringt die Staffel auf Rang zwei. -Foto: dpa

Liberec/Berlin - Im Gesicht von Evi Sachenbacher-Stehle spiegelte sich die Dramatik der letzten dreihundert Meter ab. Angsterfüllt blickte sie auf die Langlaufstrecke von Vestec, wo die deutsche Schlussläuferin Claudia Nystad in den nächsten Sekunden auftauchen musste. Allerdings war diese kurz zuvor auf Platz vier zurückgefallen, weshalb Evi Sachenbacher-Stehle auf die Frage nach ihren Emotionen während der letzten Sekunden der Langlaufstaffel wie folgt zusammenfasste: „Oh nein, oh nein, und dann jaaa.“

Das „Ja“ bezieht sich auf den Endspurt von Claudia Nystad, die nur nicht mit den Finninnen mithalten konnte, im Schlussspurt aber Schweden niederrang. „Das war ein Sensationsrennen“, freute sich Bundestrainer Jochen Behle, „ich hätte nie geglaubt, dass sie die Norwegerinnen noch einholt.“ Bis zum gestrigen Tag hatten die deutschen Langläuferinnen bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften enttäuscht, weshalb der Bundestrainer eine Diskussion um Frauentrainer Ismo Hämäläinen entfacht hatte. Mit dieser Silbermedaille dürfte der finnische Coach wieder bessere Chancen haben, auch im Olympiajahr die Frauen weiter betreuen zu können. „Die Mädels sind gut“, sagte Ismo Hämäläinen.

Der Bundestrainer machte zum einen die erste Langlaufmedaille durch die Männer für den überraschenden Erfolg verantwortlich. „Der Knoten scheint durch die Männer geplatzt zu sein“, sagte Jochen Behle. Auch die zuvor so gescholtenen Techniker lobte er. „Sie hatten einen großen Anteil am heutigen Erfolg“, sagte er. Aber eigentlich verdankte die Staffel ihren Erfolg der überraschend nachnominierten Miriam Gößner.

Diese ist eigentlich Biathletin, doch als sich durch die Krankheit von Steffi Böhler abzeichnete, dass die deutsche Langlaufstaffel bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec in Personalnöte kommen könnte, hat Behle sie nachnominiert. Nun führte die 18 Jahre alte Biathletin als dritte Läuferin die deutsche Staffel von Platz sechs auf Rang zwei und legte damit den Grundstein für den Erfolg. „Ich habe keine Zeiten gehört“, sagte Miriam Gößner, „ich bin einfach gelaufen.“ Damit war sie sogar schnellste Läuferin ihrer Runde.

„Das sieht jetzt ein bisschen schlecht aus für uns Langläufer“, sagte Evi Sachenbacher-Stehle und herzte sie, „die Miriam lassen wir nicht mehr weg.“ Ob sie tatsächlich bleibt, kann Miriam Gößner nun selber entscheiden. Thomas Pfüller, Sportchef des Deutschen Skiverbandes, aber sagte: „Sie bleibt, wo sie ist, einmal im Jahr kann man sie vielleicht ausleihen.“ Zumal das ja offensichtlich genügt, um Medaillen zu gewinnen. Tsp

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