Nordische Ski-WM : Silber ist Gold

Den deutschen Langläufern gelingt bei der WM mit Platz zwei im Teamsprint der lang ersehnte Erfolg.

Benedikt Voigt
260531_3_xio-fcmsimage-20090302150340-006003-49abe73c5b342.heprodimagesfotos851200902262il22723.jpg
Sturz ins Glück. Mit einem weiten Ausfallschritt auf der Ziellinie nimmt Axel Teichmann dem Finnen Sami Jauhojärvi die...

Liberec/Berlin - Nach vier von sechs Runden sah es nicht gut aus für die deutschen Langlaufsprinter. Axel Teichmann übergab nur als Vorletzter an Tobias Angerer und schüttelte enttäuscht den Kopf. Seine Ski wollten einfach nicht gleiten. Vor seiner letzten Runde griff er deshalb zu anderen Ski mit einer gröberen Struktur auf der Unterseite – und plötzlich war alles anders. „Das war der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Axel Teichman. Er arbeitete sich in der Spitzengruppe auf Rang drei vor und mit einem extremen Ausfallschritt auf der Ziellinie nahm er der finnischen Staffel sogar noch Platz zwei weg. „Mir reicht es langsam, immer im Zielfoto zu verlieren“, sagte der finnische Schlussläufer Sami Jauhojärvi, „beim nächsten Mal nehme ich Schuhe mit Größe 45.“

Die deutschen Langläufer aber feierten ihre erste Medaille bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec. „Dieses Silber ist Gold wert“, sagte Tobias Angerer. Der Druck auf die deutsche Mannschaft hatte nach den vorangegangenen Misserfolgen schwer auf dem Team von Bundestrainer Jochen Behle gelegen. „Ich denke, dass das jetzt der Befreiungsschlag war“, sagte Angerer. Er schob sich in der letzten Runde auf Rang vier nach vorne und legte die Grundlage für den Erfolg. „Ich habe immer gesagt, dass die beiden gut in Form sind“, sagte der Bundestrainer, „sie haben es nur vom Material her noch nicht umsetzen können.“ Diesmal aber gebührte das Lob auch den Technikern um Uwe Bellmann, die den Wunderski für Teichmanns letzte Runde bereitgestellt hatten. Nur 0,5 Sekunden fehlten zu den Siegern Johan Kölstad und Ola Vigen Hattestad aus Norwegen. „Wir sind ein Team, in dem es gemeinsam auf und ab geht“, sagte Bundestrainer Jochen Behle, „und heute ging es nach oben.“ Der Dank ging auch an Jens Filbrich, der als Ersatzmann für die Sprintstaffel aufgestellt war, aber schließlich nur als Skitester zum Einsatz kam. „Es ist eine Medaille für die ganze Mannschaft“, sagte Tobias Angerer.

Angesichts des Erfolgs der Männer fiel gar nicht so sehr ins Gewicht, dass die Frauenstaffel mit Katrin Zeller und Evi Sachenbacher-Stehle mit Platz sieben erneut enttäuschte. „Das ist schon ein wenig frustrierend“, sagte Evi Sachenbacher-Stehle. Es siegten die Finninnen Aino-Kaisa Saarinen und Virpi Kuitunen. Doch womöglich können sich die Frauen nun an den Männern orientieren. „Wir haben noch ein paar Rennen“, sagte Tobias Angerer, „jetzt schwimmen wir wieder auf einer Euphoriewelle.“ In der Staffel liebäugeln die Männer sogar mit der Goldmedaille, und im 50 Kilometerrennen am Sonntag sind sie auch nicht chancenlos. Zumal sich alle Beteiligten an die Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf vor vier Jahren erinnern. Damals hatten die Langläufer ebenfalls zunächst enttäuscht und mussten sogar die Schlagzeile „Seid ihr Oberstdoof?“ verkraften. Anschließend liefen sie im Teamsprint zu Silber, und in der Staffel auch. So kann es nun wieder kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben