Nordische Ski-WM : Strahlefrauen im Silberglanz

Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Künzel haben dem Deutschen Skiverband bei der nordischen Ski-WM die erste Medaille beschert. Mit dem Ergebnis des Herren-Teamsprints war der DSV dagegen zunächst nicht einverstanden.

Sapporo - Die Strahlefrauen des deutschen Langlaufs lagen sich nach ihrem "Silber-Coup" vor Freude juchzend in den Armen, das gescheiterte Traumduo der Herren zog dagegen nach Platz vier im Team-Sprint mit langen Gesichtern von dannen. Mit einem couragierten und aggressiven Auftritt bescherten Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) und Claudia Künzel (Oberwiesenthal) der deutschen Mannschaft die erste Medaille bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo. "Wir hatten nichts zu verlieren und sind erstmals mit freiem Kopf gelaufen", sagte Künzel.

Kurz zuvor hatten Tobias Angerer (Vachendorf) und Axel Teichmann (Bad Lobenstein) einen der bittersten Momente ihrer Laufbahn erlebt. Das favorisierte Duo musste sich hinter Italien, Russland und Tschechien mit Platz vier abfinden. Daran änderte auch ein Protest gegen den tschechischen Schlussläufer Dusan Kozisek nichts, weil die Jury den Einspruch abschmetterte.

"Ich war nervös wie eine 14-Jährige"

"Nach all der Kritik an den Leistungen der deutschen Frauen war das heute doch eine richtige Antwort", sagte Künzel. In einem begeisternden Finale schüttelte sie ihre langjährige Dauerkonkurrentin im Sprint, Marit Björgen (Norwegen), ab. An der überragenden Läuferin der Saison, Virpi Kuitunen aus Finnland, gab es kein Vorbeikommen. "Insgeheim wollten wir die Medaille, wir haben untereinander immer davon gesprochen. Nur nach außen haben wir nichts gesagt, denn im Team-Sprint kann viel passieren", sagte Künzel, die wie ihre Wunschpartnerin Evi Sachenbacher-Stehle eine unruhige Nacht hatte. "Ich war nervös wie eine 14-Jährige, habe ganz wenig geschlafen", berichtete Sachenbacher-Stehle.

Die Kritik an ihrer Leistungsentwicklung, die Bundestrainer Jochen Behle in den vergangenen Tagen geäußert hatte, war nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. "So etwas ist nicht einfach vor einer WM zu verdauen. Aber ich habe es aus dem Kopf heraus gebracht. Beweisen muss ich ihm eigentlich nicht mehr, dass ich etwas kann", meinte die Staffel-Olympiasiegerin von 2002, die auf ihren drei Runden beherzt auftrumpfte. "Die Bedingungen kamen uns entgegen, es war tiefer Schnee und die Anstiege sehr giftig. Außerdem haben wir unsere Taktik bestens umgesetzt", bemerkte die Bayerin.

Viel Lob vom Bundestrainer

Der Auftritt im fast leeren Super Dome bewog auch Behle zu einer Lobeshymne. "Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Ich habe auf diese Aggressivität gehofft, denn sie waren scharf auf die Medaille. Das hat man immer gemerkt. Wie sie es aber umgesetzt haben, nötigt Respekt ab", sagte der Trainer.

Dabei hatte er die ersten Runden der Damen-Entscheidung nur sporadisch mitbekommen, da er ständig zwischen Zielraum und Jury-Zimmer hin und her sprintete. Obwohl ZDF-Fernsehbilder belegten, dass der Tscheche Kozisek auf der Zielgeraden seine Spur verlassen und damit Axel Teichmann leicht behindert hatte, blieb Behles Protest erfolglos. "Es war grenzwertig. Er hat gegen die Regel verstoßen, aber keinen gravierenden Fehler begangen. Die Jury-Entscheidung muss man akzeptieren", betonte Behle.

"Der blödeste aller Plätze"

Die Ursache für den vierten Platz lag aber woanders. Nach dem letzten Wechsel war Teichmann am Anstieg in eine ungünstige Position geraten, wurde eingeklemmt und bis auf Rang sieben durchgereicht. "Da war die Tür zu und ich sah nur noch eine Chance im Dome. Aber das klappte nicht", sagte Teichmann, der sehr niedergeschlagen wirkte. "Mir würde es reichen, wenn er seinen Frust in der Doppelverfolgung auf der Zielgeraden rauslässt. Bis dahin haben wir aber etwas Arbeit im psychologischen Bereich vor uns", sagte Behle mit ernster Miene.

Angerer, der wie sein Partner bis zur letzten Runde das Feld kontrolliert hatte, war zwar enttäuscht, sah es aber sportlich. "Es ist der blödeste aller Plätze, aber so ist nun mal der Sport. Wir waren gut drauf, auch wenn die Strecke sehr schwer zu laufen war. Nun müssen wir eben bei der Doppelverfolgung die Medaille holen", kündigte er für Samstag einen neuen Angriff auf Edelmetall an. (Von Gerald Fritsche, dpa)

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