Nordische Ski-WM : Und wie wird das Wetter?

Auch nach dem Verfolgungsrennen bleiben die deutschen Langläufer weiter ohne WM-Medaille.

Benedikt Voigt[Liberec]
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Auf der Überholspur. Die Konkurrenz eilte den deutschen Langläufern um Axel Teichmann (rechts) bei den widrigen Verhältnissen in...

Man musste das Verfolgungsrennen der Männer bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft nicht gesehen haben, um das deutsche Langlauf-Ergebnis zu wissen. Es genügte, einen Dialog im Zielraum zu belauschen. Tobias Angerer: „Axel, was hast denn du für einen Ski gehabt?“Axel Teichmann: „Beim Testen hatte ich einen Superski, aber der hat einfach zugemacht, was soll ich machen?“ Tobias Angerer: „Du hast das Gleiche gehabt wie ich, ich habe auch keine Chance gehabt.“

Folglich ist es erneut nichts geworden mit der erhofften WM-Medaille für die deutschen Langläufer. „Wir hatten schon erwartet, dass wir bei den Herren eine Medaille holen“, sagte Bundestrainer Jochen Behle, „aber was willst du machen bei diesen Bedingungen, da brauchst du auch ein Quäntchen Glück, was das Material angeht.“ Tatsächlich sind die WM-Entscheidungen im Langlaufen zu einer Materialschlacht geworden. „Das sind hier in Liberec die schwierigsten Bedingungen, die man sich für Langlauf vorstellen kann“, sagte Teichmann, der nur als 30. ins Ziel gekommen war. „Luftfeuchtigkeit, Schneeform, alles spielt eine Rolle.“ Das beste Material hatte offenbar der Norweger Petter Northug, der sich nach dem Schlussanstieg vom Schweden Anders Södergren und dem Italiener Giorgio Di Centa absetzen konnte. Angerer belegte als bester Deutscher Platz sieben, Jens Filbrich kam als 10., Rene Sommerfeldt als 31. ins Ziel.

„Ich merke, dass ich in guter Form bin“, sagte Angerer, „ich kann ganz vorne mitlaufen.“ Doch Form allein ist offenbar nicht entscheidend. „Wir haben Nullgrad-Schnee, das ist sehr schwierig“, erklärt der ehemalige Gesamtweltcupsieger. In der klassischen Technik müssen sich die Athleten für Wachsski oder No-Wachs-Ski, der an der Oberfläche Schuppen oder feine Kunststoffhaare besitzt, entscheiden. „In der Skating-Technik ist der Schliff das Problem, nimmt man einen zu groben Schliff, kann das bremsen, ist er zu fein, dann kann der Ski zumachen, wie man in der Fachsprache sagt“, erklärt Angerer, „das ist, als ob man zwei nasse Glasplatten aufeinanderlegt und die dann zusammenklebt.“ Das ist ihm im zweiten Teil des Verfolgungsrennens passiert. Er hat in der Schlussrunde verzweifelt versucht, Anschluss an das Führungsquartett zu halten. „Doch dann ist mir der Saft ausgegangen“, sagte Angerer.

Stellt sich die Frage, warum die deutschen Skitechniker bei dieser WM bisher stets zum falschen Ski oder Wachs gegriffen haben. „Die Techniker geben alles“, sagt Teichmann, „die sind seit sechs Uhr morgens auf den Beinen und tüfteln, und es kann ja keiner ahnen, dass es dann fast zu regnen anfängt.“ Vielleicht ein Meteorologe? Obwohl die Witterung eine entscheidende Rolle spielt, sieht das Jochen Behle noch nicht als Grund an, einen Wetterexperten für den Deutschen Skiverband anzustellen. „Ich bin nicht sicher, ob ein Meteorologe das Wetter auf eine Viertelstunde genau mit Feuchtigkeit und Beschaffenheit des Schnees vorhersagen kann“, sagt Behle. Stattdessen müsse man dieses Element akzeptieren.

Nach vier Entscheidungen haben die Langläufer bei dieser WM noch keine Medaille geholt. Sechs Wettbewerbe stehen noch aus. „Wir haben in der Staffel gute Chancen“, sagt Angerer, „und über 50 Kilometer kann auch alles passieren.“ Hoffnung zieht er aus der Weltmeisterschaft in Oberstdorf, als die deutschen Läufer ebenfalls nach den ersten Entscheidungen enttäuscht hatten. „Da gab es eine schöne Überschrift“, erinnert sich Axel Teichmann. Seid ihr Oberstdoof, hatte sich die „Bild“-Zeitung einfallen lassen. Anschließend aber holten die deutschen Männer noch zwei Silbermedaillen. „Totgesagte leben eben länger“, glaubt der Thüringer Langläufer. Dafür brauchen sie allerdings auch die richtigen Ski.

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