Sport : NORDKOREA

Als „schöne Blumen“ sollen die Fußballerinnen das Land nach innen und außen schmücken. Nach dem Titel in Asien wurden sie zuhause wie Staatsgäste empfangen. Das wird nun anders sein

Die Botschaft kam im Dezember 2010 über das staatliche Fernsehen: Als erster westlicher Spielfilm überhaupt wurde „Kick It Like Beckham“ gezeigt, der Film über die soziale Kraft des Mädchenfußballs. Mehr noch als die Männer haben die Frauen zum Ansehen des nordkoreanischen Fußballs beigetragen. Die dreimalige Asienmeisterschaft sowie der Weltmeistertitel der U-19 und U-17 (2006 und 2008) bescherten Nordkorea in den vergangenen 15 Jahren einen kometenhaften Aufstieg im internationalen Frauenfußball. Für die Regierung des Staates, der zu den isoliertesten der Welt gehört, ist die Frauen- Nationalelf einer der wenigen erfolgreichen Instrumente für die Außendarstellung. Das ist um so erstaunlicher, als die Rolle der Frau in Nord- wie in Südkorea trotz der gegensätzlichen Gesellschaftssysteme fast identisch geprägt ist. Wenn in Korea von Frauen die Rede ist, spricht man von „schönen Blumen“. Liebreiz und Anmut, aber auch hausfrauliches Geschick und die fürsorgende Rolle als Mutter stehen dabei nicht im Widerspruch zur gleichwertigen Arbeitskraft in Industrie und Verwaltung, an Schulen und Universitäten, für Nordkoreanerinnen außerdem im Militär.

Längst haben sich die Fußballerinnen den Respekt ihrer Nation und der politischen Führung erworben. Die Heimkehr der Asienmeisterinnen glich einem Staatsbesuch – nach dem Scheitern in der WM-Vorrunde in Deutschland dürfte sich das aber nicht wiederholen, schließlich waren Siege erwartet worden.

Die Österreicherinnen Brigitte Weich und Karin Macher haben in ihrem Dokumentarfilm „Hana, dul, sed …“ (2010) ein reizvolles Porträt von vier nordkoreanischen Spielerinnen in ihrer Doppelrolle als „schöne Blumen“ und Fußballstars gezeichnet. Unterschiede zu Deutschland? „In Nordkorea sind die Spielerinnen Superstars“, sagt Macher, „die deutschen Weltmeisterinnen machen Werbung für Damenbinden.“

– Das Goethe-Institut beurteilt im Tagesspiegel die Rolle der Frau und des Frauenfußballs in den WM-Ländern.

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