Sport : Not macht Nationalspieler

Christian Hönicke

über den Philosophiewechsel in Stuttgart Eigentlich muss Jürgen Klinsmann Gerhard Mayer-Vorfelder dankbar sein. Der DFB-Präsident hat einen nicht unerheblichen Anteil an der Neuausrichtung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Als Präsident des VfB Stuttgart prasste Mayer-Vorfelder die Kassen des Vereins so leer, dass irgendwann kein Geld mehr für Neuverpflichtungen blieb. Stattdessen hatte Stuttgart plötzlich 20 Millionen Euro Schulden und musste auf günstige Nachwuchsspieler setzen. Kuranyi, Hinkel, Lahm, Hildebrand – sie alle sind heute wichtige Teile im WM-Baukasten von Bundestrainer Klinsmann.

Not macht Nationalspieler. Zumindest aber fördert sie die Integration von Talenten. Wann immer das Geld nicht für Stars reicht, dürfen sich Nachwuchsspieler berechtigte Hoffnungen auf Einsätze machen. In dieser Saison wird Klinsmann daher vor allem auf Borussia Dortmund (hoch verschuldet) und Hertha BSC (chronisch klamm) schauen müssen. Oder auch auf den 1. FC Kaiserlautern, der mit einem Zweitliga-Etat wirtschaften muss und eine Vertragsverlängerung mit einem unbekannten 18-Jährigen deshalb als „wiederbelebte Philosophie der verstärkten Nachwuchsförderung“ feiert.

Der VfB Stuttgart ist kein Anhänger dieser Philosophie mehr. Der Erfolg brachte das Geld zurück und die großen Ansprüche. Der teure Trainer Trapattoni hat den teuren Stürmer Tomasson als Antrittsgeschenk erhalten, und es sieht danach aus, dass bald der teure Jesper Grönkjaer hinzukommen wird. Dem VfB geht es recht gut. Schade eigentlich – zumindest für Jürgen Klinsmann.

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