Notfallplan : Das Wetter wird zensiert

Die Eröffnung der Olympischen Spiele droht ins Wasser zu fallen – das wird Peking nicht zulassen.

Unwetter
Dem Wetter trotzen. In Anhui greift die Armee ein.Foto: AFP

Die Sommermonate sind in weiten Teilen der Welt die Zeit der schwersten Unwetter. Vor allem tropische Wirbelstürme in der Karibik und in Asien richten jedes Jahr gewaltige Zerstörungen an. Über dem Golf von Mexiko bildet sich gerade ein Hurrikan, der die Ölanlagen gefährdet. Und auf Asien stürmen Taifune zu, die Teile der Olympischen Spiele gefährden könnten. Für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking am Freitag werden zunächst Schauer und Gewitter erwartet, teilten die Olympia-Organisatoren mit. Den Seglern in Qingdao und den Reitern in Hongkong drohen sogar zwei bis drei Taifune. Die chinesischen Meteorologen wollen alle Tiefdruckgebiete über dem Pazifik genauestens im Auge behalten.

In der östlichen Provinz Anhui haben die nahenden Unwetter bereits neun Todesopfer gefordert. 91 000 Menschen wurden obdachlos. Weite Teile der Provinz stehen unter Wasser.

Für den Fall, dass das Wetter zur Eröffnung der Olympischen Spiele ganz schlecht werden sollte, haben die Organisatoren auch einen Notfallplan vorbereitet. Was genau die Behörden tun wollen, wenn doch ein schweres Unwetter aufziehen sollte, bleibt offiziell ganz geheim. „Wir haben einen Plan“, sagte Wetterkundler Wang Yubin – ohne Einzelheiten zu nennen.

Versucht wird es seit langem und immer wieder, die Erfolge sind allerdings begrenzt. Chinesische Meteorologen planen, die Wolken mit Silberjodid zu „impfen“. Ob diese weltweit mehrfach eingesetzte Methode ausgerechnet in Peking überzeugend funktioniert, ist umstritten.

„Wir experimentieren mit dieser Technik“, erklärte Zhang Qiang vom Pekinger Büro für Wetterveränderungen vor Journalisten in Peking. Die Wetterbehörden wollen einerseits die Wolken abregnen lassen, bevor sie die Olympia-Stätten erreichen. Sie könnten aber auch versuchen, an Tagen mit besonders starker Luftverschmutzung Regen zu „produzieren“, um die Luft zu reinigen. Außerdem könnten Chemikalien Regenwolken so beeinflussen, dass sie erst abregnen, wenn sie an den Olympia-Anlagen vorbeigezogen sind. „Natürlich hoffen wir, dass wir ihnen gutes Wetter bringen können. Wir schauen uns die Wetterverhältnisse genau an und haben einen Notfallplan für leichten Regen“, so Zhang Qiang. Die Methode hat nach Angaben der Wetterbehörden nur bei kleineren Wolken Erfolg.

Tatsache ist aber, dass kaum eine Nation von der Technik der Wettermanipulation so viel Gebrauch macht wie das Reich der Mitte. Schon vor 50 Jahren sollen die Chinesen damit experimentiert haben, um auf diese Weise den trockenen Norden zu bewässern. Nach Angaben staatlicher Medien soll sogar eine Armee von 32 000 Menschen an 26 verschiedenen Stationen mit der Wettermanipulation beschäftigt sein. Auf Internetfotos sehen die Bodentruppen der Pekinger „Regenmacher“ wie martialische Kampfwetterfrösche aus. Sie tragen grüne Stahlhelme auf dem Kopf, Uniform am Leib und halten sich an einer grünen Kanone fest. Das Hauptquartier der olympischen Regenmacher liegt im siebten Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes in Westpeking. Nur eine aufdrapierte Batterie bunter Raketen erinnert an die tollkühne Aufgabe, die hier bewältigt werden soll.

„Wir haben mit schwereren Wetterverhältnissen zu kämpfen als die vorangegangenen Olympia-Städte“, sagt Wang Yinchun, die Sprecherin des städtischen Wetteramts. Temperatur und Niederschläge variierten stark. Für den Tag der Eröffnung liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei etwa 41 Prozent.

Nach Angaben der US-Wissenschaftszeitschrift „Technology Review“ gibt die Volksrepublik jährlich 60 bis 90 Millionen Dollar für das „Regenmachen“ aus. Von 1999 bis 2007 seien mehr als 250 Milliarden Tonnen Niederschlag produziert worden. Die Technik stamme aber eigentlich aus den USA, wo einst der Wissenschaftler Bernard Vonnegut, Bruder des Schriftstellers Kurt Vonnegut, mit Silberjodid experimentierte. Auch Russland habe sich in der Vergangenheit daran versucht, den „Wettergott“ zu spielen. Trotz 30 Jahren Experimentierens gibt es laut einem Report der US- amerikanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2003 aber „immer noch keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit absichtlicher Wetterbeeinflussung“.

Auch China versucht derzeit daher, seine Versuche auf dem Feld lieber kleinzureden. „Das vom Menschen veränderte Wetter ist nicht so zielgerichtet und korrekt wie wir dachten“, gab der Chefvorhersager des Pekinger Wetteramts, Sun Jisong, zu. (Tsp/dpa)

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