Sport : Notopfer für Union

Der Fußball-Zweitligist vertraut auf Michael Kölmel

Karsten Doneck

Berlin. Die Preiserhöhung nahmen die Fans nicht klaglos hin. Zumal die in der Zeitung noch als Topzuschlag verkauft worden war. Das ging der treuen Anhängerschaft des 1. FC Union zu weit, steht ihre Mannschaft in der Zweiten Fußball-Bundesliga doch auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die Fans protestierten, der Klub bemühte sich umgehend um Richtigstellung. Lars Töffling, Unions Medienmann, schickte eine Pressemitteilung in die Öffentlichkeit, in der es hieß, die Erhöhung der Eintrittspreise um zwei Euro für den Stehplatz und um vier Euro für den Sitzplatz in den ersten drei Rückrunden-Heimspielen gegen Mainz 05, Erzgebirge Aue und den 1. FC Nürnberg sei kein „Topzuschlag, sondern ein Aufpreis“. Es geht also um ein Notopfer Union: Der Verein leidet finanziell so sehr, wie schon lange nicht mehr. Da sind die – bei wohlwollender Schätzung – zu erwartenden 30 000 Euro Mehreinnahmen aus dem Kartenverkauf für die ersten drei Spiele geradezu ein Geldsegen.

Jürgen Schlebrowski, Unions neuer Präsident, klagt: „Ich würde lieber über Sport, unsere Spieler und den Klassenerhalt reden, aber immer geht es nur um wirtschaftliche Dinge.“ Es geht, konkreter gesagt, für Union wieder mal ums Überleben. Den ersten lebenserhaltenden Schritt hat Schlebrowski bewältigt. Michael Kölmel, der Union über die Jahre mit insgesamt neun Millionen Euro aus seinen Unternehmen Kinowelt und Sportwelt vor der Pleite bewahrte und dann selbst konkurs ging, konnte überzeugt werden, die bisher nicht getilgten Rückzahlungsraten für weitere eineinhalb Jahre zu stunden. 800 000 Euro sind da aufgelaufen.

Dabei steckt auch Kölmel in Nöten. Das „Handelsblatt“ berichtete vor gut einer Woche, dass die Staatsanwaltschaft München Kölmel Insolvenzverschleppung und Untreue vorwirft. Es bestehe, so wird Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld zitiert, „hinreichender Tatverdacht“. Kölmel bestreitet die Vorwürfe. Aber hinsichtlich seiner Forderungen gegenüber Union übt er eine erstaunliche Zurückhaltung. Aus einfachem Grund: Kölmel kann gar kein Interesse daran haben, dass Union in Konkurs geht, denn dann wäre auch sein dort investiertes Geld weg. Union baut nun Kölmel eine Brücke: Der Filmrechtehändler soll einen Platz im Aufsichtsrat des Vereins bekommen, vielleicht sogar im noch zu erweiternden Präsidium. Hemmschwellen sind da offenbar nicht zu überwinden. Das Verhältnis zwischen Kölmel und dem ehemaligen Präsidenten Heiner Bertram hat sich merklich abgekühlt. Kölmel soll im kleinen Kreis durchblicken lassen haben, er fühle sich von Bertram, was die Rückzahlung der Schulden anginge, hingehalten. Bertram habe wohl die Absicht gehabt, dass die Dinge im Sande verlaufen.

Union glaubt trotz misslicher Lage fest an die Zukunft. „Am Saisonende laufen etliche hochdotierte Spielerverträge aus“, sagt Schlebrowski. Dadurch biete sich die Chance, den aktuellen Etat von 6,5 Millionen Euro weiter zu drücken. Und notfalls werden eben wieder die Eintrittskarten mit Aufpreis verkauft. Von Topzuschlägen wird Union sich wohl langfristig verabschieden müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben