Sport : Novi golgeter Berlina

André Görke

Vor einiger Zeit klingelte im Büro von Unions Manager Klaus Berge das Telefon. Ein Spielervermittler erzählte, dass er einen guten Spieler kenne: Petar Divic, Stürmer von OFK Belgrad, jugoslawischer Torschützenkönig, zweifacher Nationalspieler. Berge hört sich so etwas an, prüft die Daten und wirft sie dann oft in den Papierkorb. Nationalspieler entpuppen sich schon mal als Reservist der Bezirksauswahl. Petar Divic aber war kein Unbekannter. Der 26-Jährige war Unions Geschäftsführer Bernd Hoffmann schon im vergangenem Jahr aufgefallen, als er mit dessen Sturmpartner Bozo Djurkovic verhandelte. Hoffmann blätterte in seinen Unterlagen. "Nummer 11: schnell, kopfballstark, interessanter Spieler." Der Mann mit der Rückennummer 11 hieß Divic.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Vier Wochen später. Auf seiner Homepage verkündet Divic bereits den Vollzug des Transfers. "Divic novi golgeter Union Berlina". Divic ist der neue Torjäger von Union Berlin. Klaus Berge will nichts gewusst haben. "Das überrascht mich. Aber es ist schön, wenn er sich so äußert", sagte der Manager gestern. Divic habe noch nicht unterschrieben, eine Entscheidung aber stehe kurz bevor. Angeblich soll sich Berge heute mit Divic in der deutschen Botschaft in Belgrad treffen, um ein Visum zu beantragen. Der 26-jährige Stürmer soll beim 1. FC Union einen Zweieinhalbjahresvertrag unterschreiben. Als Ablösesumme sind 800 000 Mark im Gespräch. Am vergangenem Dienstag waren Berge und Hoffmann nach Belgrad gereist.

Petar Divic wäre der fünfte Stürmer im Kader von Trainer Georgi Wassilew. Die Verträge von Ferdinand Chifon, Bozo Djurkovic und Harun Isa laufen am 30. Juni 2002 aus. Chifon ist von Pogon Stettin ausgeliehen und kehrt wohl nach Polen zurück, Djurkovic und Isa wird Union halten. Der vierte Stürmer, Sreto Ristic, steht bis 2003 unter Vertrag. Divic könnte nicht schaden. Isa hat in dieser Saison zwar sechs Mal getroffen, zog sich aber bei der 1:2-Niederlage in Unterhaching am vergangenen Sonntag eine schwere Oberschenkelzerrung zu und fällt erst einmal aus. Läuft alles glatt, könnte Divic bereits am Freitagabend im Heimspiel gegen den VfL Bochum neben Ristic stürmen. Djurkovic hat nämlich schlechte Karten. In Unterhaching wurde er von Trainer Wassilew schon vor der Pause vom Platz genommen.

In Sreto Ristic besitzt Union nur einen wirklich guten Stürmer. Er erzielte am Sonntag sein achtes Saisontor. "Fallen ein, zwei Stürmer aus, sind wir vorne dünn besetzt. Der Verein muss sich verstärken", sagt Ristic. Auf ihn kann Wassilew nicht verzichten. Der Jugoslawe hat aber oft mit Muskelproblemen zu kämpfen. "Ich muss immer spielen. Mir fehlt die Frische", sagt Ristic. Der 25-Jährige jammert nicht, das wäre der falsche Eindruck, Ristic ist Profi und kennt seinen Körper, und er merkt, wann dieser eine Pause benötigt. Beim Pokalspiel in Ulm lief Ristic trotz einer Zerrung auf. "Entweder der Muskel reißt, oder er hält", sagte er. Der Muskel hielt.

Ristic muss jeden Tag zum Physiotherapeuten. Petar Divic soll am Nachmittag übrigens zur ärztlichen Untersuchung in Berlin eintreffen. Vielleicht laufen sich ja beide über den Weg.

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