Sport : Novizen aus der Provinz

Wie der krasse Außenseiter Krefeld Pinguine den ersten Eishockeytitel seit 1952 holte

Claus Vetter

Berlin. In der Stunde des Triumphes potenziert sich die Zahl der Anhänger. Was war da am Montag alles in Krefeld zu sehen: Autokorso, Hupkonzerte, Sektflaschen. Bis in die frühen Morgenstunden waren sie in der rheinischen Provinz alle Fans der Krefeld Pinguine. Im fünften Finalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft hatte der Außenseiter beim Titelverteidiger Kölner Haie triumphiert und mit einem 3:1-Erfolg zum ersten Mal seit 1952 den Titel nach Krefeld geholt.

Es war ein Erfolg, den kaum einer prognostiziert hatte. Die Krefelder waren schlecht in die Saison gestartet, setzten schon bald Trainer Chris Valentine den Kanadier Butch Goring als Sportdirektor vor die Nase, und Valentine musste unter dubiosen Umständen gehen. Sportlich wurde es unter Trainer Goring zunächst kaum besser, und auf den Rängen der Rheinlandhalle wurde das Bild immer trister. Entgegen dem Trend in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die in dieser Saison einen Besucherrekord feierte, klagten die Pinguine über Zuschauerrückgang.

Die Play-offs erreichten sie gerade noch als Tabellensechster. Und dann ging es der Prominenz an den Kragen. Nacheinander schalteten die Krefelder die arriviertere Gegnerschaft aus Düsseldorf, Berlin und Köln aus. Auf dem Papier genügten dazu gerade fünf Spieler: das Sturmtrio mit Brad Purdie, Christoph Brandner und Patrik Augusta, Verteidiger Christian Ehrhoff und Robert Müller, der alle überragende Torhüter.

Für Butch Goring ist die Angelegenheit einfach. „Unbeschwertheit, Selbstbewusstsein und Siegeswillen“ hätten den Erfolg seines Teams ausgemacht, glaubt Krefelds Trainer. Das unterscheidet sich doch beträchtlich von den akribischen Planungen, mit denen sein Berliner Kollege Pierre Pagé zum Erfolg kommen wollte. Generalstabsmäßig hatten sie bei den Eisbären den Gewinn der Meisterschaft zu kalkulieren versucht. Am Ende triumphierte der lockere Außenseiter aus dem Rheinland, der nach der Hauptrunde noch 31 Punkte hinter den Eisbären gelegen hatte. Pagé glaubt die Gründe des Krefelder Erfolges erkannt zu haben. „Bei denen hat die Mischung in der Mannschaft gestimmt. Die haben erfahrene Spieler, aber auch viele junge Spieler, die mehr wollen. Müller, Ehrhoff und Brandner wollen alle in die NHL.“

Das klingt einleuchtend und ist dennoch nicht ganz richtig: Torhüter Müller hat gesagt, dass er nicht mit einem Engagement in der nordamerikanischen Profiliga rechne. Brandner hat zwar ein Angebot des NHL- Klubs Minnesota Wild vorliegen, will aber „vielleicht nach Finnland oder doch in der DEL bleiben“. Allein bei Ehrhoff sieht es anders aus. „Das war ein wunderbarer Abschied aus Krefeld“, sagte der 20-Jährige. In der kommenden Saison wird Ehrhoff für den NHL-Klub San Jose Sharks auflaufen.

Bemerkenswert war, dass die besten deutschen Spieler in dieser DEL-Saison bei den Finalisten gespielt haben. Der beste Torwart in den Play-offs hieß Robert Müller, das vierte Endspiel entschied Kölns Verteidiger Mirko Lüdemann mit seinem Tor in der Verlängerung, und am Montag erzielten die deutschen Stürmer Günter Oswald und Steffen Ziesche zwei von drei Krefelder Treffern. Die Konkurrenz hatte sich vor allem auf die Besetzung der 13 Ausländer-Plätze konzentriert – und ging leer aus.

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