Sport : Nowitzkis letzter Sommer?

Für die Basketballer steht heute viel auf dem Spiel

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Eigentlich kann von einem Sommer keine Rede sein. In Vilnius ist der Himmel meist grau, das Mannschaftshotel liegt 20 Kilometer außerhalb der litauischen Hauptstadt an der Autobahn, die Tage des Teams sind strukturiert durch Trainingseinheiten, Spiele, Mahlzeiten, Pressetermine. Und doch ist es genau das, was sich die deutschen Basketballer wünschen: Bundestrainer Dirk Bauermann hat die EM unter das Motto „One more summer“ gestellt. Auch den Sommer 2012 würden Trainer, Spieler und Betreuerstab gerne wieder gemeinsam verbringen, am liebsten bei den Olympischen Spielen in London. Dafür müssen die Deutschen aber zunächst ihre beiden verbliebenen Zwischenrundenspiele gewinnen, angefangen mit der heutigen Partie gegen die Türkei (17 Uhr, live bei Sport1). Und es steht noch mehr auf dem Spiel: Scheiden die Deutschen aus, könnte das Spiel gegen Litauen am Sonntag das letzte gewesen sein, in dem Dirk Nowitzki das deutsche Trikot trägt.

Bauermann sagt, er habe natürlich mit der Mannschaft über die besondere Bedeutung des Spiels gesprochen. „Wir stellen die Dinge für die Jungs natürlich immer in einen größeren Zusammenhang“, sagt Bauermann. „Alle haben genau verstanden, worum es geht: um die Mannschaft.“ Es geht aber eben auch um Dirk Nowitzki. Der 33-Jährige hat zwar weitere Einsätze im Nationalteam noch nicht ausgeschlossen, ein ganz so großes Bedürfnis wie früher sind dem NBA-Champion die Sommer mit dem deutschen Team aber nicht mehr. Bauermann betont allerdings eher das große Ganze: „Es wäre doch abstrus zu sagen: Wir wollen morgen gegen die Türken gewinnen, damit Dirk noch mal mitspielt.“ Sollte die Nationalmannschaft Olympia verpassen, wird auch Dirk Bauermann seinen Job beim Deutschen Basketball-Bund (DBB) hinter sich lassen und nur noch den Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern coachen. Auch für den 53-Jährigen gilt es also, sich dem Ende einer Ära entgegenzustemmen. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir hier unser großes Ziel erreichen und unter die ersten sechs kommen“, sagt Bauermann trotzig. „Über alles weitere bin ich nicht bereit zu reden.“

Zweimal haben die Deutschen die Türkei in der EM-Vorbereitung besiegt, einmal mit Nowitzki und Chris Kaman, einmal ohne die beiden NBA-Profis. Allerdings darf sich das deutsche Team keine Aussetzer erlauben wie am Mittwoch, als eine nervöse Schlussphase zu einer unnötigen Niederlage gegen Titelverteidiger Spanien führte. Alba Berlins Sven Schultze klingt beschwörend, wenn er darüber spricht, was ihn noch an den Einzug ins Viertelfinale glauben lässt. „Wir sind eine gute Mannschaft. Es stimmt einfach bei uns“, sagt Schultze. „Und wir arbeiten so hart, dass wir es einfach verdient haben weiterzukommen.“ Irgendwas muss doch an diesen Sommern dran sein, wenn sich selbst ein 33-Jähriger mit 119 Länderspielen nichts anderes sehnlicher wünscht.

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