NS-Geschichte : Hertha arbeitet Vergangenheit auf

Die Rolle des Sports im Nationalsozialismus ist zwiespältig. Die Nazis bemächtigten sich der Körperertüchtigung und erhoben sie zur Volkstugend. Auch viele Sportvereine waren darin verwickelt. Hertha BSC hat jetzt die Archive geöffnet.

Olympiastadion Berlin
Die Spielstätte der Hertha ist besonders geschichtsträchtig: Hier fanden 1936 unter dem Nazi-Regime die Olympischen Spiele statt....Foto: ddp

BerlinFußball-Bundesligist Hertha BSC hat ein bisher verdrängtes Kapitel seiner Vereinsgeschichte geöffnet und seine Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland aufarbeiten lassen. "Hertha BSC war kein nationalsozialistisch infizierter Verein", sagte Daniel Koerfer. Der Historiker war vom Berliner Club beauftragt worden, die Geschichte des Vereins im Dritten Reich zu erforschen.

Die große Mehrheit der Spieler sei der NSDAP ferngeblieben, auch die meisten der rund 400 Vereinsmitglieder hätten nicht mit den Nazis sympathisiert, sagte der Historiker. Die Vereinsführer hingegen waren oder wurden Parteimitglieder, dokumentiert die 70 Seiten umfassende Studie.

"Es gab keinen Widerstand gegen das Regime, aber auch keinen tief verankerten, fanatischen Enthusiasmus für die Partei und ihre Führung, von der Bewunderung für den 'Führer' Adolf Hitler einmal abgesehen", fasst der Historiker die Rolle des Berliner Clubs in der Nazi-Zeit zusammen und analysiert: "Es gab auch keinen ausgeprägten Antisemitismus - aber eben auch keine Versuche, sich wirklich dem staatlich verordneten Rassenwahn entgegenzustemmen."

Wurzeln im Arbeitermilieu

Entscheidend für den Verein war in dieser Zeit seine Verwurzelung im Berliner Arbeiterbezirk Wedding, in dem 1932 noch drei Viertel der Wähler für KPD und SPD stimmten. "Unsere Wiege stand an der 'Plumpe' in Wedding, und das hat Hertha möglicherweise vor manchem Einvernehmen durch die Nazis bewahrt", mutmaßte Hertha-Präsident Bernd Schiphorst, der als Initiator der Studie gilt.

Der erfolgreichste Herthaner der Vergangenheit, Nationalspieler Hanne Sobek, der 1930 und 1931 mit den Berlinern deutscher Meister wurde, trat zwar 1940 der NSDAP bei, hielt aber vor- und nachher Distanz zu den Nazis. "Als im Zuge der immer weiter verschärften antisemitischen Ausgrenzungspolitik die Tribünen für jüdische Vereinsmitglieder gesperrt werden sollen, protestiert Sobek dagegen. Er hat auch weiter Kontakt zu jüdischen Vereinsmitgliedern", schreibt Koerfer. (mac/dpa)

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