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Nürnberg - Bremen 1:3 : Hanseatische Elementartugenden

Nach dem 3:1-Sieg beim 1. FC Nürnberg loben die Bremer Spieler ihre neu gefundene Geschlossenheit. Nürnberg hingegen verliert einen Traum aus den Augen.

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Rücklagen gebildet. Durch den 3:1-Sieg in Nürnberg entfernt sich Werder von den Abstiegsrängen. Hier Bremens Mikael Silvestre (r.) im Duell mit Nürnbergs Jens Hegeler. Foto: dapd Foto: dapd
Rücklagen gebildet. Durch den 3:1-Sieg in Nürnberg entfernt sich Werder von den Abstiegsrängen. Hier Bremens Mikael Silvestre...Foto: dapd

Nürnberg - Es fehlte nur, dass die grün-weiße Reisegruppe am gestrigen Nachmittag Arm in Arm aus dem Nürnberger Stadion zum Bus marschierte, wo kreischende Kids die Stars des SV Werder Bremen erwarteten. Doch auch so wirkte es schon überaus auffällig, wie viele Spieler des in den Abstiegskampf verwickelten Bremer Teams nach dem 3:1 (1:1)-Auswärtssieg beim 1. FC Nürnberg von Gemeinsamkeit und Geschlossenheit sprachen. „Es war ein langer Weg, bis jeder seine Egoismen hier hintenanstellt“, sagte Kapitän Torsten Frings, während Per Mertesacker lobte, „dass sich endlich jeder in den Dienst der Mannschaft stellt“.

In der Tat ist auffällig, dass sich die Hanseaten anscheinend gerade noch rechtzeitig auf die Elementartugenden des Profifußballs besonnen haben. „Entwarnung wird noch nicht gegeben, aber wir sind mehr füreinander da“, sagte Vorstandschef Klaus Allofs, „und ein bisschen Fußball spielen kann diese Mannschaft ja auch.“ Unter dem Strich trat Werder deshalb auch nach Ansicht von Nürnbergs Trainer Dieter Hecking als „verdienter Sieger“ die Heimreise aus Franken an, wobei sich wieder einmal die Schlitzohrigkeit und Cleverness von Torgarant und Topverdiener Claudio Pizarro bezahlt machte. Das wichtige 2:1 erzielte der Peruaner auf kuriose Art und Weise selbst – Nürnbergs Andreas Wolf fälschte den Schuss mit der Hand ab. Vor dem 1:0 und 3:1 durch verwandelte Elfmeter von Sturmkollege Sandro Wagner (in der 27. und 89. Minute) hatte Pizarro die Pfiffe von Schiedsrichter Michael Weiner provoziert. Der zweite Strafstoß war eher einer Schauspieleinlage des 32-Jährigen zuzuschreiben, der grinsend von „einer Berührung“ sprach, die Raphael Schäfer jedoch vehement bestritt. Warum er nicht gegenüber Weiner zugegeben habe, freiwillig gefallen zu sein, wurde der in zwei Wochen gegen den VfB Stuttgart wegen seiner fünften Gelben Karte fehlende Pizarro gefragt. Seine Antwort: „Weil er mich nicht gefragt hat!“

Ähnlich wie Schäfer war auch Hecking schlecht auf den Schiedsrichter zu sprechen: „So ein wechselhaftes Pfeifen habe ich selten erlebt.“ Die Gelb-Rote Karte gegen Timothy Chandler wertete Nürnbergs Chefcoach schlicht als Witz. Hecking beschönigte die ideen-, hilf- und mutlose Vorstellung seines Teams jedoch nicht, das nur nach dem Ausgleich von Ilky Gündogan vorübergehend Hoffnung schöpfte: „Wir hatten nicht die Qualitäten, die Bremen stark gemacht haben.“ Kapitän Andreas Wolf erteilte hinterher kühnen Ambitionen eine Absage: „Zielvorgabe in Nürnberg sind 44 Punkte. Alle Europapokal-Träume sollten wir weit wegschieben.“ Frank Hellmann

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