Sport : Nummer 1, Nummer 60

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Von Ernst Podeswa

Berlin. Nein, ein Markierungspunkt ihrer Karriere sei es nicht, sagt Martina Müller. Es habe sich einfach so ergeben, „weil ich zuletzt gut gespielt habe und Marlene ein paar Punkte verloren hat.“ Marlene Weingärtner war bis Sonntag als 49. in der Tennis-Weltrangliste die beste deutsche Spielerin und damit Deutschlands Nummer eins. Sie folgte Anke Huber, die sich im vergangenen Jahr als Nummer 20 der Welt vom Profitennis verabschiedet hat. Zuvor hatte Steffi Graf fast anderthalb Jahrzehnte diesen Platz besetzt.

Jetzt also Martina Müller. Die Nummer 60 der Welt. Da aber will die Hannoveranerin auf keinen Fall bleiben. „Martina hat alle Voraussetzungen, um in die Top 30 oder noch weiter nach vorn zu rücken“, sagt Bundestrainer Markus Schur. Martina Müllers Nachteile sind körperlicher Natur. Sie ist 1,65 m klein und 56 kg leicht. Dafür ist sie wieselflink auf den Beinen, spielt ein spektakuläres Tennis und begeistert die Zuschauer durch ihren Kampfgeist. So wie gestern beim Auftaktsieg über Rossana Neffa de los Rios aus Paraguay. Martina Müller siegte nach anfänglichen Problemen am Ende souverän mit 7:5, 6:2. Vor einer Woche beim Turnier in Hamburg hatte sie einen Matchball gegen die frühere French-Open-Siegerin Arantxa Sanchez und verlor am Ende denkbar knapp. „Ich spiele erst das zweite Jahr richtig auf der Tour, und da sind mir auch Gleichaltrige meilenweit an Wettkampferfahrungen voraus", sagt Martina Müller. Die Entscheidung für das Profitennis und gegen die Schule fiel ihr schwer, „denn ich war eine sehr gute Schülerin und wollte eigentlich mein Abitur machen". Doch dann wurde sie 1999 als 16-Jährige Deutsche Meisterin, und alle Welt sagte ihrer eine große Karriere voraus.

Die Realität sah anders aus. Nach der Saison 2000 stand sie in der Weltrangliste auf Platz 435. Martina Müller wollte aufhören, „ich hatte einfach keine Lust mehr und wollte wieder auf die Schule“. Der Familienrat tagte. Vater Reinhard gab seinen Job auf und und ging mit seiner Tochter zusammen auf die Tour. Martina Müller hat ihr Spiel umgestellt, „meine Vorhand ist viel aggressiver, mein Spiel insgesamt druckvoller. Ich streue Lobs ein und gehe ans Netz, um mit Volleys den Punkt zu machen." Das Vater-Tochter-Unternehmen funktioniert. Und dabei soll es auch bleiben, denn einen Manager wollen die beiden vorerst nicht engagieren. „Die Einkünfte sind noch nicht so hoch“, sagt Reinhard Müller. „Und ein Manager, der würde doch eh nur abzocken wollen.“

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