Nur 1:1 in Leverkusen : Bayern kann Schalker Schwäche nicht nutzen

Bayern München hat Schalkes Niederlage nicht genutzt und mit einem 1:1 in Leverkusen eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf verpasst. "Wir sind Schalke einen Punkt davongelaufen", sagt Bayern-Trainer Louis van Gaal.

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Bayer Leverkusen - Bayern München
Gehopst wie gesprungen. Auch Bayern siegt nicht (hier Robben gegen den Leverkusener Kadlec).Foto: dpa

Sollten sie sich freuen oder ärgern? Es war keine leichte Entscheidung. Bayer 04 Leverkusen hatte beim 1:1 (0:0) beste Chancen vergeben, der FC Bayern München seinerseits am Ende einen Elfmeter nicht bekommen. Und so sahen sie alle, als sie am Samstagabend vom Rasen der Arena in Leverkusen schlenderten, nicht sehr glücklich aus. Dann aber ging es ganz schnell. Im Gegensatz zu den Leverkusenern schalteten die Bayern umgehend in den Zufriedenheits-Modus. Man müsse es so sehen, sagte der Münchner Philipp Lahm: „Es war ein hartes Stück Arbeit, wir haben gegen eine spielstarke Mannschaft einen Punkt gewonnen.“

Dass der Bundesliga-Spitzenreiter den Patzer des Tabellenzweiten Schalke in Hannover nicht voll zu nutzen wusste und nur mit zwei Punkten Vorsprung führt, war auch für Trainer Louis van Gaal kein Drama. „Wir hatten sieben Spiele in drei Wochen“, sagte der Niederländer. „Wir sind immer noch Tabellenführer und Schalke einen Punkt davon gelaufen.“ Sein Leverkusener Kollege Jupp Heynckes, dessen Team als Tabellendritter zwei Punkte vor Dortmund rangiert, war dagegen enttäuscht. „Wir hatten die besseren Chancen, haben taktisch klug gespielt und hätten den Sieg verdient“, sagte der 64-Jährige. Und hatte Recht.

Die Leverkusener, die zuvor drei Spiele in Folge verloren hatten, zeigten eine sehr konzentrierte Leistung. In der Abwehr mussten sie kurzfristig auf ihren Routinier Sami Hyypiä, 36, verzichten, der eine Muskelverletzung erlitten hat. Da der 21-jährige Stefan Reinartz einen guten Part als Innenverteidiger gab, funktionierte die Defensive auch ohne den Finnen hervorragend. Im defensiven Mittelfeld ackerte der Chilene Arturo Vidal mit Leidenschaft. Weiter vorne glänzte Bayern-Leihgabe Toni Kroos, der, wie am Samstag von den Bayern bestätigt wurde, nach Saisonende nach München zurückkehren muss.

Die Bayern, am Mittwochabend noch in Manchester in der Champions League im Einsatz, wirkten zwar etwas müde, agierten aber ebenfalls mit Konzentration. Von den Stars Franck Ribéry und Arjen Robben war insgesamt zwar wenig zu sehen. Dennoch waren sie an einer entscheidenden Szene beteiligt. Nach einer ersten Halbzeit, in der Tranquillo Barnetta kurz vor der Pause die beste Bayer-Chance vergeben hatte – er köpfelte nach Pass von Kroos freistehend an den Pfosten – wurde Ribéry im Strafraum von Gonzalo Castro gefoult. Den Elfmeter verwandelte Robben zum 1:0.

Zunächst schien es, als lähmte die Bayer-Profis die Angst vor einem erneuten Absturz, doch sie verharrten nur einen kurzen Moment in der Schockstarre. Und kamen wieder. Zunächst hatten die Bayern Glück, als ein Kopfball des gewohnt emsigen Torjägers Stefan Kießling an den Pfosten donnerte, und der Abpraller vom Rücken des Münchner Torhüters Jörg Butt auf und nicht hinter die Linie sprang. Nur zwei Minuten später aber durften Heynckes’ Profis jubeln: Nachdem Kroos einen wunderschönen Freistoß ebenfalls an den Pfosten gesetzt hatte, landete der Ball bei Vidal. Und der vollstreckte aus kurzer Distanz. „Er hat ein ganz starkes Spiel gemacht“, lobte Heynckes. Vidal hatte schon in der ersten Halbzeit Gelb gesehen, konnte dann aber sein Temperament zügeln.

Münchens Argentinier Martin Demichelis leistete sich in der Schlussphase einen Fehlpass, als er den Ball in den Lauf von Bayer-Stürmer Eren Derdiyok spielte. Münchens Torwart Butt rettete. Da Demichelis auch in Leverkusen aufgrund eines Jochbeinbruchs mit Gesichtsmaske spielte und der Innenverteidiger in den vergangenen Spiele ebenfalls Aussetzer der groberen Art hatte, mutmaßte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer: „Wahrscheinlich sieht er mit der Maske nicht richtig.“ Aber auch Schiedsrichter Knut Kircher sah nicht alles. In der Nachspielzeit hielt Bayer-Verteidiger Hans Sarpei den stürmenden Münchner Thomas Müller deutlich an Arm und Trikot fest. Der Referee entschied dennoch nicht auf Strafstoß.

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