Sport : Nur bei den Schwächen stark

Warum sind Schalke 04 und Werder Bremen so schlecht? Zwei Analysen vor dem einstigen Spitzenspiel

Richard Leipold[über den FC Schalke 04] Gelsenkirchen[über den FC Schalke 04]
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Sportliche Schwächen: Schalke schießt zu wenig Tore, nur 24 in 18 Spielen, obwohl in aller Regel drei Stürmer aufgestellt werden. Der erfolgreichste Schütze ist Kevin Kuranyi – mit lediglich sechs Treffern. Dem Mittelfeld fehlt es an Kreativität. Trainer Fred Rutten setzte dort oft auf drei defensive Kräfte. Der Weggang von Fabian Ernst könnte eine neue Chance für Ivan Rakitic bedeuten, ein vermeintliches Regietalent, das sich bisher nicht durchzusetzen vermochte.

Sportliche Leitung: Manager Andreas Müller steht schon länger in der Kritik. Als Nachfolger Rudi Assauers besaß er viel Kredit, vor allem beim Aufsichtsrat. Seine von Flops geprägte Transferpolitik hat ihn jedoch in Bedrängnis gebracht. Viele Fans fordern Müllers Ablösung. Rutten spricht oft, ja zu oft von einem Prozess, den die Mannschaft durchlaufe. Es ist ein langwieriger Prozess, mit bloßem Auge sind keine Fortschritte zu erkennen. Dennoch dürfen Trainer und Manager bleiben. Die Frage ist, wie lange.

Führungsspieler: Den größten Einfluss hat Mannschaftskapitän Marcelo Bordon. Aber auch an ihm ist die sportliche Rezession nicht spurlos vorübergegangen. Bordon kann sich sogar vorstellen, den FC Schalke 04 ein Jahr früher zu verlassen als geplant, wenn der Klub zustimmt; sein Vertrag läuft bis Juni 2011. Ein anderer vermeintlicher Führungsspieler ist schon weg. Fabian Ernst ist in dieser Woche zu Besiktas Istanbul gewechselt. Sonst tun sich bei Schalke keine Profis hervor, die sprechend oder spielend einen klaren Führungsanspruch erheben. Auch darin liegt eine Schwäche der Mannschaft.

Umfeld: Das äußere Erscheinungsbild Schalkes wirkt in diesem Winter, gelinde gesagt, unvorteilhaft. Der Pressesprecher ist bis auf Weiteres beurlaubt, und Geschäftsführer Peter Peters, ein früherer Journalist, hat die Koordination der Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Seitdem führt Schalke die Spielerinterviews am liebsten selbst. Es ist das Recht eines Klubs, Inhalte nach seinem Gusto zu verbreiten. Peinlich wird es aber, wenn Spieler in den vereinseigenen Medien mit unnatürlich geschmeidigen Formulierungen dem widersprechen, was sie am selben Tag, teils vor laufender Kamera, unabhängigen Journalisten gesagt haben.

Finanzen: Schalke ist mit dem zweithöchsten Spieleretat der Liga in die Saison gegangen, mit einer Mannschaft, die rund 55 Millionen Euro kostet. Allerlei Transfers und Ausleihgeschäfte führen zu einer Entlastung, zumal wenn die ausgeliehenen Spieler endgültig von der Gehaltsliste verschwinden. Falls der Klub das internationale Geschäft verpasst, spricht vieles dafür, dass der im Sommer zu erwartende Umbruch im Zeichen eines haushaltspolitischen Umdenkens steht. Schon in dieser Saison wird der Klub deutlich hinter den Erlösen des Vorjahres zurückbleiben. Die Zeiten einer expansiven Transferpolitik sind vorbei.

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