Sport : Nur das Derby zählt

Im Pokal-Viertelfinale trifft Offenbach auf Frankfurt

Daniel Meuren[Offenbach]

Hermann Nuber wird existenziell beim Gedanken an das Spiel seiner Offenbacher Kickers im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt heute Abend (20.30 Uhr, live im ZDF). „Dieses Spiel ist wie ein Lebenselixier für uns Kickers“, sagt der 71-Jährige. Nuber ist nach 429 Spielen eine Legende der Offenbacher Vereinsgeschichte. Wäre Nuber dem Ruf des Geldes und dem Main fünf Kilometer flussabwärts gefolgt, wäre er statt einer Legende zum Verräter geworden. So aber ist er der Kronzeuge für die Rivalität zwischen zwei direkten Nachbarn, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Offenbach ist eine typische Arbeiterstadt, das Ende der Lederindustrie leitete deren Niedergang ein. Frankfurt blieb die Finanzmetropole, die sich eine Skyline baute, die den Offenbachern den Blick auf den Sonnenuntergang versperrt. Diese Unterschiede sorgen für Animositäten im Alltag, dazu gibt es eine fußballbedingte Hassliebe, die die Fans der beiden seit zwei Jahrzehnten stets in unterschiedlichen Ligen spielenden Vereine heute Abend nach dreieinhalb Jahren erstmals wieder ausleben dürfen.

Der Schicksalstag dieses fußballerischen Teils der Rivalität ist der 28. Juni 1959: Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach stehen sich im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegenüber. 2:2 steht es nach 90 Minuten, in der Verlängerung spricht der Schiedsrichter Frankfurt einen strittigen Elfmeter zu. Eintracht geht in Führung und gewinnt 5:3. Vier Jahre später wird die Bundesliga gegründet – ohne Offenbach, aber mit Frankfurt. Erst 1968 schaffen die Kickers den Sprung in die Profiliga, steigen aber gleich wieder ab. Danach geht es für sie hoch und wieder runter. 1970 gelingt ein DFB-Pokalsieg,

Richtig stolz sind die Offenbacher aber auf etwas anderes. In der Derby-Bilanz führt der OFC mit 56:53 Siegen. Diesen Vorsprung will Trainer Wolfgang Frank mit seinem Zweitliga-Team heute gegen den Erstligisten Frankfurt ausbauen. „Ich würde mir wünschen, dass der Bieberer Berg wieder das wird, was er einmal war: ein Ort, zu dem jeder Bundesligagegner mit Furcht anreist.“ Frank selbst erlebte diese Zeiten als Bundesligastürmer in den Siebzigern. „Seitdem hat sich hier nichts verändert“, sagt Frank. „Alles sieht noch genauso aus wie damals.“ Auch deshalb hat das Pokalduell heute seinen ganz besonderen Reiz.

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