Sport : Nur die Ehre zählt

Alba Berlin sucht nach Motivation für künftige Europaligaspiele

Benedikt Voigt

Berlin. In den vier letzten Sekunden des dritten Viertels sahen rund 6000 Zuschauer in der Hala Ladowa zu Wroclaw die wahrscheinlich entscheidende Spielszene. Obwohl die Basketballprofis von Alba Berlin Zeit hatten, sich auf diesen letzten Spielzug einzustellen, gelang es den Spielern von Slask Wroclaw, den Ball über das gesamte Feld zu dribbeln und ihn mit einem wunderschönen Bodenpass dem US-Amerikaner Lynn Greer zu übereignen, der ihn trotz Foul in den Korb legte. Er traf auch noch den anschließenden Freiwurf, weshalb Alba statt mit vier mit sieben Punkten Rückstand ins letzte Viertel startete. „Das ist psychologisch ein großer Unterschied“, sagt Albas Vizepräsident Marko Baldi.

Es fehlt den Spielern von Alba Berlin in den internationalen Spielen an Ruhe, Erfahrung und Selbstbewusstsein. „Wir sind zu ungeduldig“, analysiert Baldi nach dem 80:92 in der Europaliga bei Slask Wroclaw. Es war die siebte Niederlage im neunten Europaligaspiel. Für die Berliner bedeutet es, dass sie zum dritten Mal infolge in der Europaliga nicht die nächste Runde erreichen werden. Dazu müssten jetzt schon alle restlichen fünf Spiele gewonnen werden. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“, sagt Baldi, „so realistisch sind wir.“

Albas Vizepräsident sieht auch in dieser Saison eine Voraussetzung nicht gegeben, die sein Team zum Weiterkommen benötigt hätte. „Wir müssen in der Europaliga aus dem Vollen schöpfen können“, sagt Baldi, „das hat nicht geklappt.“ Hinzu kam, dass Alba in den wichtigen ersten Spielen in Villeurbanne und zu Hause gegen Wroclaw von der Rolle war. „Es fehlte an Kontinuität und Konsequenz in unserem Spiel, und das hängt damit zusammen, wie sich eine Mannschaft findet“, sagt Baldi. Als die Berliner das Zusammenspiel in den Partien gegen Weißenfels und Tau Vitoria erstmals gefunden hatten, traten plötzlich Verletzungen auf. Zuletzt verbesserten sich die Berliner wieder - doch für die Europaliga kommt das zu spät.

In den übrigen Europaliga-Spielen geht es nur noch darum, sich für nationale Aufgaben zu rüsten. Wie jene am Sonntag im Heimspiel gegen Gießen (15 Uhr). „Außerdem wollen wir beweisen, dass wir es verdient haben, in der Europaliga zu spielen“, sagt Baldi. Fragt sich, wie viele Fans in der Max-Schmeling-Halle dabei sein wollen, wenn es nur noch um die Ehre geht. „Natürlich sorgen wir uns um die Zuschauer“, sagt Baldi. Er hofft auf maximale Leistungen seines Teams. „Das wird goutiert.“

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