Sport : Nur die Mannschaft zählt Wie Steglitz das Fechtturnier retten will

Frank Bachner

Berlin - Peter Joppich und Britta Heidemann dürfen nicht kommen, das ist der Preis, den Udo Ungureit bezahlen muss. „Tragisch“ findet das der Chef des Fechtturniers um den „Steglitzer Pokal“, andererseits könnte ihm dieser Preis die Zukunft seines Turniers sichern. Joppich und Heidemann sind im September Weltmeister geworden, der eine mit dem Florett, die andere mit dem Degen, größere Zugnummern gibt es nicht. Aber Heidemann startet für Leverkusen und Joppich für Koblenz. Beide Vereine bekommen kein Team zusammen. Das ist der Punkt.

In diesem Jahr richtet Ungureit das Turnier erstmals als Europapokal der Landesmeister aus, als Mannschaftsturnier also. Die Herren kämpfen mit dem Florett, die Frauen mit dem Degen (Samstag, Sochos-Sporthalle, Lessingstraße, ab 10 Uhr. Finale: 19 Uhr, Hotel Steglitz International). 20 Jahre lang war der „Steglitzer Pokal“ ein Einzelturnier. „Der Wechsel zum Mannschaftsturnier ist meine Rettung“, sagt Ungureit. Solche Turniere sind in Europa selten, deshalb hat der Deutsche Fechterbund dem Berliner Senat mitgeteilt, dass dieser Europapokal eine gute Sache ist. Und deshalb hat der Senat dem Turnierchef Ungureit signalisiert, dass er für 2008 wieder eine Ausfallbürgschaft beantragen darf. In den vergangenen fünf Jahren war das sinnlos, weil nur ein Einzel- Turnier in Berlin unterstützt wurde. Und das war, der Tradition wegen, der „Weiße Bär“.

Ungureit konnte sein Turnier zuletzt nur veranstalten, weil er ausnahmsweise Geld aus Spielbanküberschüssen erhielt. Das ist eigentlich Bundesligamannschaften vorbehalten; „es ist ein Wunder, dass ich fünf Jahre lang auch Geld bekommen habe“, sagt Ungureit. Auch in diesem Jahr schießt die Klassenlotterie noch einmal 6000 Euro zu. 12 000 Euro beträgt der Gesamtetat, 2000 Euro erhält Ungureit von Sponsoren, 2000 Euro kommen aus der Kasse des Steglitzer Fechtclubs, dessen Vereinsvorsitzender Ungureit ist, 2000 muss er noch „irgendwo erbetteln“. Die Umstellung auf ein Mannschaftsturnier hat der Turnierchef trotzdem schon jetzt gemacht. Er will dem Senat zeigen, dass es funktioniert. Die Ausfallbürgschaft muss er zwar auch jedes Jahr beantragen, aber er habe damit „größere Planungssicherheit“ als beim Kampf um die wegfallenden Spielbankmittel.

Und er hat auch ohne Joppich und Heidemann ein hochinteressantes Feld. Benjamin Kleibrink zum Beispiel kommt mit dem OFC Bonn. Kleibrink ist WM-Dritter, und hat im vergangenen Jahr in Steglitz gewonnen. Auch der Tauberbischofsheimer Dominik Behr kommt, Vizeweltmeister mit der Mannschaft. Bei den Frauen gehört Danuta Dmowska zu den prominentesten Fechterinnen. Die Polin wurde 2005 Weltmeisterin, sie startet für Legia Warschau. Auch ZSKA Moskau ist am Start, das Team ist identisch mit jener russischen Nationalmannschaft, die bei Olympia 2004 in Athen die Bronzemedaille gewann.Frank Bachner

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