Sport : Nur die Sonne lacht

Die Deutschen Groenefeld und Müller scheiden bei der ersten Gelegenheit aus

Helen Ruwald

Berlin. Sieben Minuten vor Spielbeginn haben sich drei Zuschauer auf Court B eingefunden. Zwei Minuten später sind es immerhin schon sieben. Zwölf Ballkinder warten auf ihren Einsatz im Erstrundenspiel zwischen der deutschen Qualifikantin Anna-Lena Groenefeld und der Tschechin Daja Bedanova bei den German Open auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß an der Hundekehle. Die Sonne knallt auf die Anlage, das Häuflein Neugieriger kramt Sonnencreme hervor, vom Center Court ist die Ansage des Sprechers zu hören: „Was gibt es Schöneres, als an so einem Tag ein Sonnenbad zu genießen und zu sehen, ob die eine oder andere Spielerin in der Lage sein wird, mit den ganz großen zu konkurrieren.“ Frau Bedanova ist zwar keine der ganz Großen – weder als 44. der Weltrangliste, noch mit ihren 1,71 Metern – doch für Anna-Lena Groenefeld war sie dennoch zu stark. Die 17-Jährige aus Nordhorn unterlag 2:6, 3:6.

Immerhin hat das Talent schon das Vokabular der Profis verinnerlicht: „Ich habe nicht so gut gespielt heute. Aber ich versuche, mein Bestes zu geben.“ Wo sie in der Weltrangliste stehe, wurde sie gefragt. „Um Platz 430“, sagte Groenefeld. Weit gefehlt, das war einmal. Bis zum Wochenende, wo sie mit einer Wild Card an der Qualifikation der German Open teilgenommen hatte, wurde sie tatsächlich an Platz 432 geführt, doch schon durch den Einzug ins Hauptfeld kletterte sie auf Position 309.

Auch für Martina Müller ist das Turnier bereits kurz nach Beginn beendet. Sie unterlag der Kroatin Jelena Kostanic 4:6, 4:6. Da half es auch nichts, dass von der Anzeigetafel auf dem Center Court plötzlich der erste Satz verschwand und bis zum Ende der Partie ein 4:3 und 40:0 für Müller angezeigt wurde. Im Programmheft lautet die Überschrift zu der 20-Jährigen: „Mit wieselflinken Schritten in die Weltspitze.“ Doch diese Meldung ist veraltet. Vor einem Jahr trotzte Müller bei der Niederlage in Runde zwei der späteren Siegerin Justine Henin einen Satz ab und arbeitete sich auf Rang 51 der Weltrangliste vor. Doch 2003 gelangen ihr bei zwölf Turnieren Siege nur in zwei Spielen. Mittlerweile ist Müller nur 132. der Welt. Trotzdem freute sie sich, dass „ich heute seit langem wieder ein bisschen Gefühl gehabt habe beim Spielen“. „Private Probleme“ hätten sie in die Krise geführt. Liebeskummer, heißt es aus ihrem Umfeld. Als es ihr schlecht ging, kam selbst ihr Vater, der auch ihr Trainer ist, nicht mehr an sie heran. „Wenn er gesagt hat, was du machst, ist Mist, habe ich gesagt, ja, o.k.“. .

Müller und Groenefeld zählten gestern an der Hundekehle zu den Attraktionen – schließlich haben die Stars Justine Henin-Hardenne, Kim Clijsters und Jennifer Capriati in der ersten Runde Freilose und schlagen erst Mitte der Woche auf. Die ursprünglich topgesetzte Venus Williams hatte sich am Sonntag im Finale des Turniers von Warschau verletzt und war gar nicht erst angereist. Kein Glück in Berlin hat Elena Dementjewa, die russische Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele in Sydney 2000. Vor einem Jahr scheiterte sie in Runde eins an der Deutschen Angelika Roesch, diesmal musste die Weltranglisten-13. wegen einer Knöchelverletzung gegen die Qualifikantin Dinara Safina beim Stand von 6:2, 2:6, 0:1 aufgeben. Die gerade 17-Jährige ist die Schwester des russischen Tennisstars Marat Safin. Verletzungspech auch für Mary Pierce: Die Französin zog sich im ersten Satz gegen Virginia Ruano Pascual eine Zerrung zu, die Partie wurde abgebrochen.

Aber für die Unglücklichen lachte wenigstens die Sonne an der Hundekehle.

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