Sport : Nur die Tornetze stören

Griechenland freut sich über das 1:1 gegen Spanien

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Irgendwie war die Euphorie etwas zu groß für Otto Rehhagel. Er musste auch etwas bemängeln. „Was mir heute missfällt, sind diese schwarzen Netze in den Toren“, sagte Griechenlands Trainer in der Pressekonferenz. „So etwas kann nur ein Funktionär erfunden haben.“ Der Ball müsse in ein weißes Netz fliegen, erklärte Rehhagel, der in manchen Artikeln nur noch „König Otto“ genannt wird. Weiße Netze würden die Freude an diesem Sport zeigen. „Schwarze Netze aber sind ein Trauerspiel“ schimpfte Rehhagel. Dann knipste er sein Mikrofon aus.

Abgesehen von der Farbe der Tornetze dürften Otto Rehhagel in Portugal nicht viele Sorgen plagen. Nach dem 1:1 gegen Spanien im zweiten Gruppenspiel bei der FußballEuropameisterschaft in Portugal behauptet Griechenland die Tabellenführung in der GruppeA. Den Griechen genügt im abschließenden Gruppenspiel gegen Russland bereits ein Unentschieden, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Dabei fand sich sein Team, das im ersten Spiel Gastgeber Portugal mit 2:1 überrascht hatte, schnell in der Defensive wieder. Spaniens Stürmer Raul setzte die Akzente und ließ nicht nur nach Ballstaffette, die Morientes nach einer halben Stunde zum 1:0 ins Netz jagte, den Großteil der 30 000 im Stadion jubeln. Phasenweise musste einem beim immer wieder über die Flügel inszenierten Pass- und Flankenwirbel Angst und Bange werden um die griechischen Verteidiger.

Irgendwie aber fanden diese schon bald nach dem Rückstand ihre Fassung wieder. Kurz nach der Pause kreuzten die Griechen gar mit drei Angreifern im spanischen Territorium auf. Rehhagel hatte mit der Einwechslung der zwei Offensivkräfte Nikolaidis und Tsaiartas das Zeichen zum Angriff gegeben, was den so selbstsicheren Spielern der Primera Division gar nicht behagte. Der Ausgleich hatte jedenfalls viel mit dem Personal- und Systemwechsel zu tun: Der frische Tsiartas flankte, und der plötzlich und auch noch unbehelligt zu dieser Chance gekommene Charisteas nahm alle Energie zusammen. Der Ersatzstürmer von Werder Bremen traf zum 1:1.

Die zweite griechische Überraschung bei der EM war perfekt. Eigentlich hätten die spanischen Spieler gewarnt sein müssen, denn in der Qualifikation hatten sie sogar gegen Griechenland 0:1 verloren. Die Spanier, die alle besser und schöner Fußball spielen können, holten jedoch nur noch zwei Möglichkeiten heraus. Die erste köpfte Bareja aus drei Metern in die fangbereiten Hände von Torwart Nikopolidis, die zweite knallte der für Morientes eingewechselte Valeron mit noch viel mehr Karacho aus kurzer Distanz auf das Hinterteil eines griechischen Verteidigers.

In der Statistik findet sich noch eine Kopfballchance, die Raul übers Tor setzte, bevor die Leitfigur des großen Favoriten immer mehr aus dem Spielgeschehen verschwand und nach 79 Minuten Schluss machen durfte. Es sah schon nach Resignation aus, als die berühmteste Nummer sieben der Fußball-Welt zur Ersatzbank trabte.

In diesem Moment beschäftigte sich Rehhagel womöglich schon damit, sich seine Worte für die Pressekonferenz zurecht zu legen. „Eine einmalige Chance tut sich dem griechischen Fußball auf, wir freuen uns schon jetzt auf den Samstag“, sagte er. Dann könnte es allerdings passieren, dass er erneut mit schwarzen Netzen konfrontiert wird. Da hört nämlich sein Einfluss auf.

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